Sie befinden sich hier: Startseite -> Sachstand 17.09.2007
"Wir müssen uns von der traditionellen Denkweise lösen, in Migration einen Grund für Verlust und Leid zu sehen", erklärte EU-Kommissionsvizepräsident Franco Frattini, zuständig für Justiz, Freiheit und Sicherheit, heute auf einer Konferenz in Lissabon. "Lassen Sie uns von EU-Mobilität sprechen. Migration stellt eine Bereicherung dar, keine Bedrohung. Wir sollten verstärkt berücksichtigen, was uns Statistiken prognostizieren: 85 Prozent der unausgebildeten Arbeitskräfte kommen in die EU, lediglich 5 Prozent gehen in die USA. Im Gegensatz dazu wandern 55 Prozent der qualifizierten Facharbeiter in die USA ab, jedoch nur 5 Prozent in die EU. In einigen Sektoren ist ein Mangel an Fachkräften bereits deutlich spürbar. Wir müssen dieser Entwicklung entgegenwirken, und das verlangt nach neuen Instrumenten."
"Trotz der EU-Erweiterung, die die Gesamtbevölkerung der EU auf etwa 490 Millionen angehoben hat, ist mit einem Bevölkerungsrückgang in der EU in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen. Im Jahr 2050 wird ein Drittel über 65 Jahre alt sein. Ein Mangel an Arbeitskräften und Fähigkeiten ist in einigen Bereichen bereits deutlich zu spüren, und die Tendenz wird sich weiter verstärken. Die demografischen Langzeitprognosen von Eurostat zeigen, dass sich die Gesamtbevölkerung bis 2025 und der Bevölkerungsanteil im arbeitsfähigen Alter bis 2011 verringern werden. Obwohl es sich dabei um Voraussagen und Durchschnittszahlen handelt, und deshalb mit entsprechender Vorsicht betrachtet werden müssen, erfahren einige Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Ungarn, Italien und Lettland, bereits den Rückgang des Bevölkerungsanteils im arbeitsfähigen Alter, während dies anderen noch bevorsteht."
Frattini kündigte daher an, am 23. Oktober dazu zwei erste Gesetzesvorschläge vorzulegen: eine allgemeine Rahmenrichtlinie zu den grundlegenden sozioökonomischen Rechten aller Drittstaatenangehörigen sowie eine Richtlinie über die Aufnahme hochqualifizierter Einwanderer. "Die Herausforderung besteht darin, genau die Fachkräfte anzuziehen, die bestimmte Lücken füllen sollen."
Ziel der EU müsse es sein, so der EU-Kommissionsvizepräsident weiter, "attraktivere Einreise- und Aufenthaltsregelungen für hochqualifizierte Einwanderer einzuführen. Vor dem Hintergrund, dass sich der Arbeitsmarkt zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten unterscheidet, wird das System nicht zu starr angelegt sein, sondern vielmehr einen Grad an Annäherung mit Flexibilität kombinieren." Das System müsse daher einige Ansätze verbinden, u.a. beschleunigte Aufnahmeverfahren für hochqualifizierte Drittstaatenangehörige sowie ein spezielles Programm für "junge Berufstätige". Zudem sollten jene Arbeitskräfte, die unter dieses besondere Schema der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis fallen, mit einer so genannten "Blauen EU Arbeitskarte" ausgestattet werden.
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