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Nach einer Warnung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor einem deutlichen Rückgang der Erwerbsbevölkerung in Deutschland streiten SPD, CDU sowie Gewerkschaften und Arbeitgeber über einen erleichterten Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland.
Unternehmer-Präsident Jürgen Thumann plädierte gegenüber der "Passauer Neuen Presse" für mehr Zuwanderung. Aus den Unternehmen und verschiedenen Branchen sei zu hören, dass der Fachkräftemangel ihr inländisches Wachstum bereits bremse. Der BDI-Chef forderte, das festgelegte Mindesteinkommen in Höhe von 85.000 Euro für den Zuzug Hochqualifizierter müsse deutlich gesenkt werden. Es gebe in Deutschland einen Mangel an Qualifizierten - egal ob jung oder alt.
Dieser Ansicht widersprach der DGB-Vorsitzende Michael Sommer im ARD-Morgenmagazin. Er wies darauf hin, dass es in Deutschland 50.000 arbeitslose Ingenieure gebe. Es gebe "kaum Weiterbildung in deutschen Betrieben, da kann man nicht einfach sagen, was wir nicht haben, holen wir uns aus dem Ausland. Das ist Bildungsimperialismus." Sommer räumte aber ein, dass Deutschland mittelfristig Zuwanderung brauche. Er wandte sich zugleich gegen eine deutliche Senkung des Mindesteinkommens von Zuwanderern. Ein Richtwert von 40.000 Euro, der derzeit im Gespräch ist, sei "Facharbeiterniveau und zu niedrig". Sollte der Richtwert gesenkt werden, müsse er weit über 60.000 Euro angesiedelt werden.
Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), sagte der "Frankfurter Rundschau", der beklagte Mangel an Fachkräften in der hiesigen Wirtschaft sei "hausgemacht". Die deutschen Unternehmen hätten über Jahre und Jahrzehnte die Ausbildung und die Weiterbildung stark vernachlässigt und würden nun über den Mangel an Fachkräften jammern. Bevor man einfach Spitzenkräfte aus dem Ausland hinzukaufe, müsse alles getan werden, die in Deutschland schlummernden Potenziale zu wecken.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) verteidigte ihr Eintreten für mehr Zuwanderung. Im ARD-Morgenmagazin sagte sie, es gehe nicht um ungesteuerte Zuwanderung, sondern um eine größere Attraktivität Deutschlands für hoch qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland.
Die Grünen-Bildungspolitikerin Priska Hinz nannte Schavans Forderung merkwürdig. "Erst vor wenigen Tagen hat die Ministerin doch für das neue Zuwanderungsgesetz gestimmt, das die Hürden für Ausländer auf dem deutschen Arbeitsmarkt noch verschärft", sagte sie der "Frankfurter Rundschau". Nun verlange Schavan Erleichterungen bei der Zuwanderung.
Die OECD hatte in einer Studie prognostiziert, dass Erwerbsbevölkerung in Deutschland bis 2020 um gut sechs Prozent zurückgehen wird - stärker als in den meisten OECD-Ländern. Rund die Hälfte von ihnen kann dagegen mit einer stabilen oder wachsenden Erwerbsbevölkerung rechnen. Die Organisation riet Deutschland zu einer besseren Integration von Migranten und zu leichteren Bedingungen für die Zuwanderung. Dieser Forderung hatte sich Ministerin Schavan angeschlossen.
Quelle:
www.tagesschau.de, 27.06.2007
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