Sie befinden sich hier: Startseite -> Sachstand 20.03.2007
"In den deutschen Großstädten wird im Jahr 2010 jeder Zweite unter 40 Jahren aus einer Zuwandererfamilie stammen“, betonte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung. "Schon jetzt leben in Deutschland rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist nahezu jeder Fünfte. Diese Zahlen machen deutlich, dass Integration eine der entscheidenden Zukunftsfragen für unser Land ist.“
Integration müsse in den Kommunen zur "Chefsache“ werden, forderte die Staatsministerin: "Die Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte müssen Integration als zentrales kommunalpolitisches Thema in die Hand nehmen. Erforderlich ist eine kommunale Gesamtstrategie, die zu den Anforderungen vor Ort passt. Zahlreiche Kommunen haben bereits Integrationskonzepte beschlossen. Dieser Weg ist richtungsweisend.“
Zugleich müsse Integration als Querschnittsaufgabe verstanden werden, so Böhmer: "Wir brauchen mehr Verbundprojekte, die Integrationsinitiativen aus den verschiedenen Bereichen wie Bildung, Arbeitsmarkt, Kultur und Sport zusammenführen.“ Die Staatsministerin regte an, die Sprachförderung in den Kindertagesstätten und den Grundschulen zu vernetzen und dabei auch die Sprachkurse für Mütter einzubeziehen. Bereits existierende Verbundprojekte zeigten, dass sich so die Effizienz der Maßnahmen steigern lasse. Beispielsweise helfe die Vernetzung von Integrationskursen und Arbeitsagenturen dabei, die Integration zu beschleunigen.
"Wir müssen die Migrantinnen und Migranten und die Bürgergesellschaft aktiv in die Integrationsinitiativen einbeziehen“, fügte Böhmer hinzu. Dazu sei es notwendig, das ehrenamtliche Engagement insbesondere der Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Zuwandererfamilien weiterzuentwickeln. „Ehrenamtliche Intitiativen wie 'Integrationslotsen’ und 'Stadtteilmütter’ machen Mut, schaffen Vorbilder und bauen Vorurteile ab“, hob die Staatsministerin hervor. "Erfolgreiche Migranten unterstützen andere Migranten bei der Integration.“
Zugleich kündigte Böhmer an, sie werde noch in diesem Jahr ein bundesweites "Netzwerk Bildungspaten“ auf den Weg bringen: "Ich setze darauf, dass die Kommunen hier kräftig mitziehen, damit es uns gemeinsam gelingt, die Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien zu verbessern.“
Böhmer unterstrich, dass viele Kommunen bereits Vorbildliches für die Integration leisteten. "Mit ihrer Kampagne 'Wir sind alle Stuttgarter’ hat die baden-württembergische Landeshauptstadt erreicht, dass Vielfalt und Integration als Gewinn wahrgenommen werden. Wenn uns das überall gelingt, sind wir einen Riesen-Schritt voran gekommen“, sagte die Staatsministerin. Auch sollten mehr Migrantinnen und Migranten als Mitarbeiter in den öffentlichen Verwaltungen eingestellt werden. "Die Stadt Duisburg hat das als eine der ersten erkannt und wirbt jetzt gezielt um Auszubildente mit Migrationshintergrund für ihre Stadtverwaltung“, so Böhmer. Diese und noch viele andere gute Beispiele zeigten, welch große Bedeutung den Kommunen bei der Lösung der Zukunftsfrage Integration zukomme. "Deshalb widmen wir dem Thema 'Integration vor Ort’ im Nationalen Integrationsplan ein eigenes Kapitel“, betonte Böhmer.
Der Austausch von Erfahrungen und guten Beispielen aus der Praxis sei auch innerhalb der EU von großer Bedeutung, fügte die Staatsministerin hinzu: "Integration ist eine der entscheidenden Zukunftsaufgaben für die gesamte Europäische Union. Gerade auf kommunaler Ebene stehen wir oft vor den gleichen Problemen und Herausforderungen. Deshalb legt Deutschland im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft eines seiner Hauptaugenmerke auf die Integrationspolitik.“
Gute Ideen und Praxisbeispiele aus den Nachbarländern seien ein Ansporn, es selbst genauso oder besser zu machen. Deutschland und Frankreich hätten dabei mit ihrer gemeinsamen Integrationsinitiative eine Vorreiterrolle eingenommen. Böhmer verwies auf die in beiden Ländern gestartete Unternehmer-Initiative "Charta der Vielfalt“, deren Ziel die Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt am Arbeitsplatz sei. "In Frankreich haben bereits mehr als 3000 Firmen die Charta unterschrieben. Das schaffen wir auch“, zeigte sich die Staatsministerin zuversichtlich.
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