Sie befinden sich hier: Startseite -> Sachstand 17.07.2006
Vertreter von Migranten kritisierten vor dem Integrationsgipfel die mangelnde Wertschätzung, die ihnen in Deutschland entgegengebracht werde. Außerdem gebe es keine Chancengleichheit. Der Interkulturelle Rat und die Organisation Pro Asyl erklärten, Zuwanderern werde bei der Integration die alleinige Bringschuld aufgebürdet. Die Migrantenverbände bemängelten, daß die Politik den Spracherwerb stets an erste Stelle rücke. Deutschkenntnisse seien wichtig, aber nicht der einzige Indikator für Integration, sagte Turgut Yüksel vom "Netzwerk türkeistämmiger Mandatsträger in Frankfurt am Main". Wenn Einwanderer Perspektiven sähen und sich akzeptiert fühlten, seien sie auch motiviert, Deutsch zu lernen.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayyub Axel Köhler, erklärte, der Gipfel sei eine Farce.
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte vor dem Gipfel mit 80 Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen sowie Verbänden, Kirchen und Religionsgemeinschaften eine Integrationspflicht für Ausländer. Stoiber sagte der "Welt", er erwarte noch 2006 eine Änderung des Ausländerrechts. Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz warnte in der "Netzeitung" vor übertriebenen Erwartungen an den Gipfel. Zugleich mahnte er eine solide Finanzierung für die Maßnahmen nach dem Gipfel an. Bildung, Sprachförderung und Arbeitsförderung für Migranten gebe es nicht zum Nulltarif.
Die vier Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben der Bundesregierung Unterstützung bei der besseren Eingliederung von Ausländerkindern zugesagt. In der gemeinsamen Erklärung unterstützen BDA, BDI, DIHK und ZDH die Forderungen nach Sprach- und Leseförderung bereits im Kindergarten sowie nach Einführung verbindlicher Integrationskurse.
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Quelle:
Hamburger Abendblatt, 15.07.2006
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