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Lage auf dem Arbeitsmarkt wird für Migrantenkinder immer schlechter

KMK stellt Nationalen Bildungsbericht vor

von Joachim Peter

Berlin - Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird für Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland immer schlechter. Zu diesem Ergebnis kommt der Nationale Bildungsbericht, der der WELT in Teilen vorliegt und im Rahmen der Kultusministerkonferenz (KMK) am 1./2. Juni veröffentlicht werden soll. "Besonders kritisch stellt sich der Weg der jungen Migranten ins Beschäftigungssystem dar, und zwar an beiden Schwellen: dem Übergang von der Schule in die Ausbildung und aus der Ausbildung in die Erwerbsarbeit", heißt es in der Studie. Zwischen 1994 und 2004 sei in den alten Ländern der Anteil der ausländischen Jugendlichen an der Gesamtheit der Auszubildenden im dualen System von 9,4 Prozent auf 5,6 Prozent zurückgegangen. Die Experten monieren, junge Ausländer müßten im Vergleich zu Gleichaltrigen deutscher Abstammung "im Durchschnitt deutlich bessere schulische Vorleistungen erbringen", um einen Arbeitsplatz zu erhalten.

Grundlage der Migrationsexpertise im Nationalen Bildungsbericht ist der Mikrozensus 2005, der über das Merkmal der Staatsangehörigkeit hinaus repräsentative Daten unter anderem zu Geburtsort in oder außerhalb Deutschlands und Einbürgerung bereitstellt. Danach weist fast ein Fünftel der deutschen Bevölkerung (18,6 Prozent) Zuwanderungserfahrung auf. Die Experten kommen zu dem überraschenden Befund, daß die Population mit Migrationshintergrund "fast doppelt so groß" ist, als nach der bisherigen Statistik mit Hilfe der Staatsangehörigkeit ausgewiesen wurde. Bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen null und unter 25 Jahren ist der Anteil mit 27,2 Prozent sogar noch größer. Das heißt: Mehr als jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche in Deutschland hat einen Migrationshintergrund.

Die größten Schwierigkeiten beim Übergang in die Erwerbstätigkeit haben nach der Studie junge Türken sowie Einwanderer aus anderen ehemaligen Anwerbestaaten wie dem früheren Jugoslawien, Griechenland, Italien, Spanien oder auch Marokko. In dieser Bevölkerungsgruppe ist der Anteil von erwerbstätigen Frauen besonders niedrig. Bei den Türken etwa gehen 37 Prozent der Frauen keiner Arbeit nach. Nach Meinung der Experten ist dies ein Beleg dafür, "daß bei der Integration neben den Arbeitsmarktproblemen auch ein grundlegendes kulturelles Problem, das der Erwerbsbeteiligung von Frauen, zu bewältigen ist".

Schon bei der Einschulung werden die großen Differenzen zwischen deutschen und Ausländerkindern sichtbar. Laut dem Bericht ist die Zahl vorzeitiger Einschulungen von ausländischen Kindern 2004 etwa halb so hoch gewesen wie bei den Schülern insgesamt; die Zahl der Zurückstellungen war dagegen doppelt so hoch. In der Grundschule gebe es die "Tendenz zur Benachteiligung" von Migrantenkindern bei der Notenvergabe. Mit Blick auf die weiterführenden Schulen heißt es, Ausländerkinder hätten "nicht nur mehr Schwierigkeiten, auf höhere Schularten zu gelangen, sondern auch größere Probleme, sich dort zu halten". Knapp die Hälfte der 15jährigen Türken besuche eine Hauptschule; bei den Kindern aus der Ex-Sowjetunion seien es 38 Prozent. Die "Schwerpunkte" bei den Kindern deutscher Herkunft und aus sonstigen Staaten hätten sich indes "längst auf den Real- und Gymnasiumsbesuch verschoben".

Quelle: Externer Link DIE_WELT.de, 30.05.2006

 

 

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