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Fachkräftemangel

Ausgesperrte Spitzenleute

In Deutschland bleiben viele Arbeitsplätze für hochqualifizierte Fachleute unbesetzt. Einwanderer könnten die Lücken füllen. Doch gerade einmal 138 ausländische Spitzenkräfte kamen im ersten Quartal 2006 nach Deutschland. "Ein Witz" sei diese Zahl, heißt es selbst in der Union.

Von Roland Preuß

Christian Schneider sucht schon seit Monaten Leute. "Ich könnte auf der Stelle zehn Software-Entwickler und IT-Experten einstellen", sagt der Manager beim Mittelständler Actano.

Doch das Software- und Beratungsunternehmen mit Büros in Stuttgart, Magdeburg und München kann keine neuen Mitarbeiter auftreiben. Meist hakt es an der Qualifikation.

Schneider würde auch Leute aus Russland, Kroatien oder Übersee anheuern, doch dieser Weg ist ihm und vielen anderen Unternehmen weitgehend versperrt.

"Ruhig eine Null dranhängen"

Gerade einmal 138 Hochqualifizierte aus Staaten jenseits der EU durften sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung von Januar bis März in Deutschland niederlassen - ein neuer Tiefststand.

Vergangenes Jahr waren es noch etwa 220 pro Quartal, also ungefähr 900 im Jahr. Schon dies galt als magere Bilanz: Die Zuwanderungs-Kommission unter Rita Süssmuth (CDU) hatte 2001 noch 20.000 Fachkräfte im Jahr empfohlen.

Die neue Zahl lässt auch Innenpolitiker der Union aufhorchen. "138 ist ein Witz, da kann ruhig eine Null drangehängt werden", sagt der Innenexperte der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl.

Bisher haben CDU und CSU stets auf hohe Hürden für Einwanderer gepocht und dies 2004 auch ins Zuwanderungsgesetz schreiben lassen.

Familie entscheidet mit

Kommen dürfen derzeit nur Angestellte, die es auf ein Brutto-Jahresgehalt von mindestens 85.000 Euro bringen oder Forscher und Professoren.

Ökonomen raten seit Jahren dazu, sich stärker am internationalen Wettbewerb um kluge Köpfe zu beteiligen. Dies schaffe zusätzliche Stellen auch für Deutsche.

Das Bundesinnenministerium rätselt über die Ursache des Desinteresses und bereitet Korrekturen am Zuwanderungsrecht vor. Dafür möchte Uhl nun die 85.000 Euro-Grenze überdenken; auch sollen ausländische Studenten, die den deutschen Uni-Abschluss geschafft haben, öfter bleiben dürfen.

Familienangehörigen von Spitzenkräften soll erlaubt werden, gleich mitzukommen. Den Verantwortlichen dämmert, dass manche Manager Familie haben und Frau und Kinder über den Umzug mitentscheiden.

Zweitliga-Fachkräfte

Ob diese Überlegungen Wirklichkeit werden, ist fraglich. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigt sich sehr zurückhaltend. Offene Türen für Fachleute könnten als Zugeständnis an die SPD verstanden werden, die das schon länger fordert. Kanzlerin Angela Merkel hat gerade innerparteilichen Ärger, weil sie der SPD beim Antidiskriminierungsgesetz entgegengekommen ist.

Zudem legten die Ausländerbehörden dem Innenministerium eine weitere Zahl vor: Demnach kamen von Januar bis März weitere 10.800 Arbeitnehmer von außerhalb der EU, etwa Lehrer und Akademiker mit geringerem Einkommen, Fachkräfte der zweiten Liga also.

Die Zahl klingt zwar deutlich besser als die 138 Hochqualifizierten. Doch sie hat einen Haken: Die Zuwanderer dürfen nur vorübergehend bleiben, erhalten also keine Perspektive im Land. "Diese Gruppe muss einen unbefristeten Aufenthalt bekommen, sonst ist für sie Zuwanderung nicht attraktiv", sagt Elmar Hönekopp, Zuwanderungsexperte am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

Wenn diese Menschen nicht zu deutschen Firmen kommen dürften, dann gingen die Unternehmen eben zu den Fachkräften - ins Ausland.

Quelle: Externer Link sueddeutsche.de, 21.05.2006

 

 

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