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Wanderungsbewegungen in Europa untersucht

Die meisten Menschen lockt die Liebe ins Ausland

"Flut" Arbeitssuchender aus dem Osten gibt es nicht

Der Glaube mag Berge versetzen. Die Hoffnung auf ein besseres Leben treibt die Armutsflüchtlinge übers Mittelmeer an Europas Strände. Doch die Liebe ist offenbar immer noch die stärkste Kraft, die Europäer dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen. Das haben Sozialwissenschaftler zu ihrem Erstaunen festgestellt, als sie im Auftrag der Brüsseler EU-Kommission die Motive von 5000 EU-Bürgern untersuchten, die ihr Land verlassen haben, um in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien oder Großbritannien zu leben.

Die Ergebnisse scheinen auf dem ersten Blick den Vorstellungen zu widersprechen, die man sich in Deutschland gemeinhin von den Wanderungsbewegungen in Europa macht. Von der vielfach befürchteten "Flut" der Arbeits- und Glückssuchenden aus dem Osten kann nämlich nicht die Rede sein. Nur zwei Prozent der europäischen Bürger leben derzeit in einem anderen EU-Land, als dem, aus dem sie stammen. Selbst in Ländern, die nach der EU-Osterweiterung nicht wie Deutschland die Türen nur einen kleinen Spalt, sondern wie Irland großzügig ganz aufgemacht haben, ist die Zahl der Einwanderer aus den neuen EU-Staaten überschaubar: Rund 40 000 Arbeitssuchende aus den drei baltischen Staaten haben auf der boomenden Grünen Insel Arbeit gefunden.

Die meisten "EU-Ausländer", die in einem europäischen Partnerland leben, brechen ihre Zelte zu Hause aber nicht ab, weil sie Arbeit suchen. 30 Prozent der Migranten ziehen um, weil sie bei einem Menschen leben wollen, den sie lieben. Das ist die stärkste Triebfeder des innereuropäischen Ortswechsels. Die Arbeitssuchenden machen nur 25 Prozent aus.

Fast so stark ist die Gruppe der Europäer, die in einem EU-Land Sonne, private Freiheit und "Dolce Vita" suchen. 24 Prozent der im Ausland lebenden Europäer geben an, dass sie wegen der Lebensqualität ihrer neuen Heimat umgezogen sind. Das sind zum überwiegenden Teil Rentner, die in Spanien oder auch in Italien die Erfüllung ihrer Wünsche nach dem schönen Leben suchen.

Das Ergebnis der Studie ist gerade für Deutschland nicht schmeichelhaft. Wegen der Lebensqualität zieht kaum einer nach Deutschland. Wer in die grauen Industriezentren Deutschlands drängt, der sucht Arbeit oder will studieren. Doch während nach England vor allem Fachkräfte wechseln, kommen nach Deutschland sehr viel mehr die weniger Qualifizierten.

 

Von Thomas Gack, Brüssel

Quelle: Externer Link Göttinger Tageblatt, 01.04.2006

 

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