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Jede fünfte der in den letzten drei Jahren geschlossenen Ehen von Wiesbadenern ist "interethnisch", das bedeutet, dass genau einer der Ehepartner einen Migrationshintergrund besaß. In 56 Prozent der Fälle war es die Ehefrau, die eine fremde Herkunft hatte. Eheschließungen mit Personen türkischer, polnischer und marokkanischer Herkunft waren besonders häufig, doch erstreckt sich das Spektrum insgesamt über mehr als 90 verschiedene Herkunftsnationen.
Das Amt für Wahlen, Statistik und Stadtforschung hat in der jüngsten Ausgabe seiner Reihe "Stadtbeobachtung aktuell" die Eheschließungen zwischen Zuwanderern und Einheimischen in Wiesbaden bevölkerungsstatistisch ausgewertet. Dass dabei nicht nur auf die Staatsangehörigkeit, sondern in erster Linie auf den "Migrationshintergrund" abgestellt wird, hat seinen Grund: Durch Einbürgerung von Ausländern und Zuwanderung von Aussiedlern fallen Staatsangehörigkeit und ethnisch-kulturelle Zugehörigkeit immer seltener zusammen.
Als Maßstab für die kulturelle Annäherung dienen so genannte "Einheiratsquoten", die den Anteil derjenigen eheschließenden Migranten angeben, die in die deutsche Gesellschaft einheiraten. In den drei Jahren von 2002 bis 2004 betrug die Einheiratsquote in Wiesbaden 28 Prozent. Gut jede vierte Person ausländischer Herkunft, die in diesen Jahren heiratete, schloss die Ehe mit einem Partner ohne Migrationshintergrund.
Frauen ausländischer Herkunft heiraten häufiger in die deutsche Gesellschaft ein als Männer: So entschieden sich 31 Prozent der heiratenden Frauen ausländischer Herkunft für einen Partner ohne Migrationshintergrund, umgekehrt nur 26 Prozent der Männer. Noch ausgeprägter sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Herkunftsnationalitäten. So war beispielsweise die Einheiratsquote türkischer Migranten mit 16 Prozent weit unterdurchschnittlich und lag bei türkischstämmigen Frauen noch einmal deutlich darunter. Auch bei Migranten marokkanischer und iranischer Herkunft war das Interesse für eine Heirat mit Nicht-Migranten gering. Die höchsten Quoten lassen sich bei Menschen kroatischer und polnischer Abstammung sowie bei Frauen aus Thailand feststellen.
Überraschend ist die Erkenntnis, dass die zweite Ausländergeneration nicht häufiger an Eheschließungen mit Einheimischen beteiligt ist als die erste. Die Erwartung, dass die Integration in der zweiten Ausländergeneration - die immerhin in Deutschland geboren ist - mittlerweile weiter vorangeschritten sein müsste, wird also, zumindest was die Häufigkeit der Eheschließungen mit einheimischen Deutschen betrifft, nicht erfüllt.
Eine nur sehr geringe Neigung, in die deutsche Mehrheitsgesellschaft einzuheiraten, zeigen Spätaussiedler, heiraten diese doch eher unter ihresgleichen.
Bei fast jeder zweiten Eheschließung zwischen Migranten lebt ein Ehepartner noch im Ausland. Eine "Partnersuche im Herkunftsland" gilt in der Regel als integrationshemmend, denn es besteht die Gefahr, dass sich die aus dem Ausland nachziehenden Ehegatten erst integrieren müssen und dass die aus diesen Ehen hervorgehenden Kinder in einem vom Herkunftsland geprägten Haushalt aufwachsen.
Bei der zur Heirat "importierten" Person handelte es sich in der Mehrzahl der Fälle um die Ehefrau. Einer der Gründe für Männer mit Migrationshintergrund, die Ehe mit einer im Ausland lebenden Partnerin zu schließen, dürfte das ungleiche Geschlechterverhältnis in der Gruppe der unverheirateten Migranten sein, welches deren Chancen auf dem "Heiratsmarkt" verringert. Rückschlüsse auf arrangierte Ehen oder gar auf Zwangsverheiratung sind allerdings anhand der Bevölkerungsstatistik nicht möglich.
Die Förderung der Integration von Menschen ausländischer Herkunft ist eine erklärte Absicht der Stadt Wiesbaden. Zielgruppe sind nicht nur ausländische Staatsangehörige, sondern auch Aussiedler und Eingebürgerte. Zur "sozialen Integration", die "ich in den privaten Kontakten zwischen Migranten und Aufnahmegesellschaft ausdrückt, gehören die so genannten "interethnischen Eheschließungen", also Heiraten zwischen Zuwanderern und Einheimischen. Sie sind ein besonders anschaulicher Maßstab dafür, inwieweit sich eine Zuwanderergruppe in die Lebensverhältnisse und die Kultur der deutschen Aufnahmegesellschaft integriert hat.
Quelle:
Wiesbadener Kurier, 28.02.2006
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