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Razzia gegen illegale Putzkolonnen

Schwarzarbeit: Polizei durchsuchte Hotels - 200 Festnahmen. Chefs von Reinigungsfirmen sollen unter anderem Papiere gefälscht haben. Mehr als 1200 Beamte im Einsatz.

Es war eine der größten Polizeiaktionen, die es jemals in Hamburg gegeben hat: Bei einer Großrazzia gegen Schwarzarbeit haben gestern mehr als 1200 Beamte von Polizei, Zoll und Steuerfahndung fünf Reinigungsfirmen durchsucht, die von fast allen renommierten Hotels der Stadt als Putz-Service genutzt wurden. In mehr als 40 Hotels, darunter im Le Royal Meridien, Marriott und Intercontinental suchten Fahnder nach Beweisunterlagen. Gegen die Hotels werde jedoch nicht ermittelt, sagte ein Polizeisprecher.

Der Vorwurf gegen die Chefs der Reinigungsfirmen: Sie sollen Illegale als billige Arbeitskräfte angeworben haben, sie unter Tarif als Schwarzarbeiter beschäftigt und zudem Papiere gefälscht und Steuern hinterzogen haben. Die Beamten überprüften gestern mehr als 500 Putzkräfte in den Hotels, 200 von ihnen wurden als illegale Schwarzarbeiter festgenommen. Die vier Inhaber und Geschäftsführer der Fimen, drei Bosnier und ein Deutscher im Alter von 33 bis 44 Jahren, wurden ebenfalls festgenommen.

Die Polizei hatte Ende vergangenen Jahres einen Tip bekommen, daß die Reinigungsfirmen, die ihren Sitz an der Eiffestraße (Hamm-Mitte) haben und untereinander verflochten sind, durch Mund-zu-Mund-Propaganda illegale Arbeitskräfte suchen. Die Firmenchefs teilten die Arbeitskräfte in Putzkolonnen ein, die dann je nach Bedarf in den Vertragspartner-Hotels eingesetzt wurden.

Die Reinigungsfirmenbosse statteten nach Polizeiermittlungen die Arbeiter, von denen viele aus Afrika stammen, mit gefälschten Papieren aus. Manchmal beschäftigten sie demnach auch mehrere Personen unter einem Namen oder meldeten Arbeitskräfte gar nicht an. Sie zahlten keine Sozialabgaben für ihre Mitarbeiter, Lohnsteuer führten sie ebenfalls nicht ab. Bezahlt wurden die illegalen Putzmänner und -frauen meist in bar. Für die offizielle Buchführung gab es allerdings auch legale Angestellte, damit die Behörden nicht sofort Verdacht schöpften.

"Wie die Strukturen genau funktionierten, wissen wir noch nicht", sagte ein Chef-Ermittler. Unklar sei unter anderem, wie viele Schwarzarbeiter insgesamt beschäftigt wurden - bislang wissen die Fahnder konkret nur von den 200, die sie bei der Razzia festgenommen hatten. Von ihnen sagt eine Frau aus Afrika aus, sie habe von der Firma zwei Euro pro Zimmer bekommen, in der Stunde habe sie drei Zimmer herrichten müssen. Manchmal, wenn das Zimmer nach Ansicht eines Vorarbeiters nicht gut genug gereinigt war, sei sie auch gar nicht bezahlt worden.

Gäste, die in den Hotels die Durchsuchungsaktion mitbekamen, zeigten sich erstaunt darüber, daß die Zimmermädchen offenbar nicht alle direkte Hotelangestellte sind. "Ich bin schockiert, daß Schwarzarbeiter mein Bett machen und nicht Angestellte des Hauses", sagte Ingo G., der seit zwei Wochen im Intercontinental an der Alster wohnt. Eine Sprecherin der Geschäftsführung sagte, das Hotel wolle zu der Razzia und der Beschäftigung von Fremdfirmen keinen Kommentar abgeben.

Der Generaldirektor des Marriott-Hotels am Gänsemarkt, Peter van Rossen, sagte, er sei "entsetzt" gewesen, als er gestern morgen von der Polizei erfahren habe, daß die Reinigungsfirmen Illegale beschäftigten. Das Marriott-Hotel nutze zum Großteil eigene Zimmermädchen, doch bei stärkerer Auslastung buche das Hotel Fremdfirmen dazu.

Im Raffles-Hotel Vier Jahreszeiten fand die Polizei keine Unterlagen mit Hinweisen auf illegale Zimmermädchen. "Bei uns reinigen ausschließlich Hotelangestellte die Zimmer", sagte eine Sprecherin.

Quelle: Externer Verweis Hamburger Abendblatt, 17.02.2006

 

 

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