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Hamburg - Riesenrazzia auf der Reeperbahn

Mehr als 700 Fahndern gelingt Schlag gegen Zuhälterbande - Elf Verdächtige verhaftet und Millionenvermögen beschlagnahmt

Hamburg - Mehr als 700 Polizisten und Steuerfahnder haben in der größten Razzia seit Jahren eine Hamburger Zuhälterbande zerschlagen, die rund 300 Frauen teils gewaltsam zur Prostitution gezwungen haben soll. Elf Männer der 85 Personen starken Bande mit dem Namen "Hamburger Gruppe" oder "Marek-Gruppe" wurden verhaftet, der Kopf der Bande in einem Luxuslokal gestellt, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Dabei wurden Vermögenswerte in Höhe von acht Millionen Euro eingefroren und 18 Luxusautos beschlagnahmt.

"Es war einer der bedeutendsten und größten Einsätze, die bisher gegen die Organisierte Kriminalität durchgeführt wurden", sagte Polizeisprecherin Ulrike Sweden. Insgesamt waren bei der Aktion am Donnerstagabend 728 Polizisten und Steuerfahnder im Einsatz. Den Verhafteten wird unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie banden- und gewerbsmäßiger schwerer Menschenhandel vorgeworfen. Allein mit den Bordellen sollen sie seit Anfang 2001 rund 27 Millionen Euro umgesetzt haben. Bei der Aktion rund um die Reeperbahn fuhren Streifenwagen und Mannschaftstransporter im Sekundentakt vor. Schwer bewaffnete Polizisten stürmten 14 Bordelle, 27 Wohnungen, das Vereinslokal der Bande und eine Spielhalle, die den Verdächtigen gehört.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Schießerei im Bezirk St. Pauli im Mai. Damals hatte eine Gruppe von etwa 20 maskierten Männern, mit Baseballschlägern, Knüppeln und Totschlägern zwei Zuhälter aus der Gruppe angegriffen, die sich selbstständig machen wollten. Die Opfer hatten ein Bordell in der für ihre Etablissements bekannten Herbertstraße übernommen. Nach dieser Aktion verhaftete die Polizei bereits acht Personen und entdeckte zahlreiche Waffen und Rauschgift.

Die Fahnder drangen dann mit weiteren Ermittlungen bis ins Herz der Bande vor. Am Donnerstag fand dann die Razzia mit 480 Polizisten und 190 Angehörigen von Sondereinsatzkommandos sowie 58 Steuerfahndern statt. Dabei wurden auch Wohnungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein durchsucht, zwei Beschuldigte wurden in Spanien verhaftet. Bei der Aktion am Donnerstag wurde ein Schieß-Kugelschreiber und Hiebwaffen beschlagnahmt.

Die Bandenmitglieder beherrschten weite Teile der Hamburger Rotlichtszene. Die Polizei wurde 2001 zum ersten Mal auf sie aufmerksam. Sie sollen seitdem mindestens 297 Frauen auf den Strich geschickt haben. "Die Beschuldigten allein bestimmten die Art und Umstände der Prostitutionsausübung", sagte Sweden. Versuchten die ausnahmslos aus Deutschland stammenden Frauen auszusteigen, seien sie mit Gewalt oder psychischem Druck gehindert worden.

AP

Quelle: Externer Link Stuttgarter Zeitung, 18.11.2005

 

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