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Frauenhandel: Verbrechen im Hinterzimmer

(Die Presse) 27.09.2005

Immer öfter werden Frauen in Privatwohnungen und schmuddeligen Séparés kleiner Cafés zu Sexspielen genötigt.

BELGRAD/PRISTINA (ig.). Die Menschenhändler, klagen Experten einhellig, seien "gerissener" geworden. Im Kosovo denkt Robert Gordon Bruce, Leiter einer Spezialeinheit der UN-Polizei, fast wehmütig an die Zeit vor vier Jahren zurück. Damals reichte es noch, mit Polizisten Nachtklubs zu stürmen, um Opfer zu finden und Täter dingfest zu machen. "Die Menschenhändler waren noch nicht so gut organisiert wie heute", erzählt Bruce. "Jetzt müssen wir schon sehr, sehr clever sein, um sie zu erwischen."

Seit das Problem Menschenhandel international ins öffentliche Bewusstsein geraten ist und Regierungen dessen Bekämpfung zur Priorität erhoben haben, finden die Verbrecher immer neue Mittel und Wege, ihrem lukrativen Geschäft nachzugehen.

Südosteuropa ist auf Grund seiner geografischen Lage zu einer Drehscheibe dieser Form der modernen Sklaverei geworden. Bisher zählten vorwiegend Frauen aus Moldawien, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine zu den Opfern. In letzter Zeit geraten aber auch immer mehr Serbinnen in die Fänge der Menschenhändler.

Im Innenministerium in Belgrad führt man das auf die verstärkten Grenzkontrollen zurück. Nun werde versucht, den "Bedarf" durch einheimische Frauen zu decken, berichtet der Leiter der Sektion zur Bekämpfung des Menschenhandels, Mitar Djuraskovic.

Hand in Hand mit dem Menschenhandel gehen andere kriminelle Aktivitäten wie Drogen- und Waffenschmuggel, Dokumentenfälschung, Geldwäsche und Korruption. Wie die aufgeflogenen Händlerringe zeigen, kennen die Netzwerke keine nationalen, ethnischen oder religiösen Grenzen.

Die Kette jener, die am Elend der Opfer verdienen, ist lang: Häufig sind es sogar Frauen, die die Mädchen rekrutieren. Dann treten Händler, Schlepper, Mittelsmänner und Zuhälter auf den Plan.

Menschenhandel kann auch "Familienbusiness" sein, berichtet Djuraskovic: Die Männer "besorgen" die Mädchen, ihre Ehefrauen kümmern sich um die Zimmer und bewachen die Opfer. Die Täter-Profile seien ganz unterschiedlich und reichten von bisher unbescholtenen Neueinsteigern bis zu polizeilich bekannten Kriminellen.

Der Profit ist riesig, die Gefahr gering. Bruce rechnet für den Kosovo vor: Wenn ein Mädchen pro Jahr 300 Kunden hat, sind das bei 100 Euro für Sex jährlich 30.000 Euro pro Mädchen.

Meist werden die Mädchen zu Alkohol- und Drogenkonsum gezwungen, um sie abhängig und leichter kontrollierbar zu machen. Vielfach können die Frauen die körperlichen Torturen auch nur unter Drogen aushalten.

Nur in zehn Prozent der Fälle würden die Opfer in großen Nachtklubs des Kosovo zur Prostitution gezwungen, sagt Bruce. Viel häufiger seien schmuddelige Hinterzimmer in kleinen Cafés oder Privatwohnungen der Tatort der sexuellen Ausbeutung, berichtet der UNO-Polizist.

Djuraskovic steht vor demselben Problem: Die wenigen offen deklarierten Striptease-Clubs in Serbien seien kontrollierbar. Die Verbrechen fänden an "versteckten Orten", meist außerhalb der großen Städte, statt. Die klassischen polizeilichen Methoden wie Razzien in einschlägigen Etablissements, Verkehrs-, Grenz- und Ausländerkontrollen sind deshalb nicht mehr effizient genug.

Quelle: Externer Link Die_Presse.com, 27.09.2005

 

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