Kurden und Kurdistan
Die kurdische Volksgruppe lebt hauptsächlich in der Türkei (ca. 7 Millionen), im Iran (5 Millionen) und im Irak (ca. 4 Millionen). Kurden leben aber auch in den Kaukasusrepubliken und in Syrien.
Viele Kurden haben zudem in den letzten Jahrzehnten ihren Wohnsitz in den westeuropäischen Ländern genommen. Viele von ihnen sind vor politischer Verfolgung und auch bitterer Not geflohen. Bestrebungen, einen eigenen Nationalstaat zu schaffen, sind im Laufe des vergangenen Jahrhunderts mehrfach gescheitert.
Kurdenstaat blieb 1920 eine Fiktion
- Zwar sah der der Rest-Türkei 1920 von der Entente diktierte Frieden von Sèvres einen Kurdenstaat vor. Im Friedensvertrag von Lausanne (1923), der der verbliebenen Türkei unter Mustafa Kemal Atatürk den Fortbestand sicherte, war ein eigenständiger Kurdenstaat schon nicht mehr vorgesehen.
Versuche, mit Hilfe der Sowjetunion im Nordwesten des Iran unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkrieges einen Kurdenstaat zu errichten (Republik Mahabad), scheiterten nach einem Jahr - das sowjetische Militär, das ebenso wie britísche Streitkräfte während des Weltkrieges zeitweilig große Teile des Iran besetzt hatte, war inzwischen abgezogen worden.
Guerilla-Krieg in den 60er Jahren im Irak
- In den 60er Jahren entwickelte sich unter Mustafa Barsani vor allem im Irak eine starke Guerilla, die nach schweren Rückschlägen versuchte, während des ersten Golfkrieges den Iran zu unterstützen. In dieser Zeit setzte das irakische Militär auch Giftgas gegen die Guerilla und Zivilisten ein. Die vor allem zu Beginn der 70-er Jahre versprochene Automomie wurde nie gewährt.
Enttäuschte Erwartungen nach dem zweiten Golfkrieg
- In Erwartung einer möglichen Unterstützung durch die Golfkriegsallianz erhoben sich verschiedene kurdische Gruppierungen - zunächst vor allem in den Städten - am Ende des zweiten Golfkrieges erneut. Besonders bei Luftangriffen tötete das irakische Militär viele bewaffnete Gegner wie auch zahlreiche Zivilisten.
Zum Schutz der Kurden wurde daraufhin im Frühjahr 1991 für das irakische Militär eine Flugverbotszone eingerichtet. Gegen den Willen der irakischen Führung entstand außerdem im Herbst 1991 eine de facto autonom wirkende Zone für die Kurden.
Zwischen den kurdischen Gruppierungen im Irak ist es allerdings mehrfach zu heftigen bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen. Dabei kam es gelegentlich auch zum Zusammenwirken mit dem irakischen Militär.
Bewaffnete Auseinandersetzungen auch in der Türkei
- Seit 1984 gab es auch im Osten der Türkei von der PKK getragene bewaffnete Auseinandersetzungen
um einen eigenen Kurdenstaat, die erst nach der Verhaftung des PKK-Führers Öcalan abebbten.
Bei der Verfolgung Aufständischer missachtete das türkische Militär häufig die Grenzen
seiner Nachbarn, besonders des Irak. Unterstützung fand das türkische Militär nicht selten bei den mit der PKK um die
Hegemonie in der Kurdenfrage ringenden Kurdenorganisationen auf irakischem und iranischem Boden.
Die offizielle Türkei bestreitet die Existenz eines
kurdischen Volkes und bezeichnet die Kurden als 'Bergtürken'. Die türkische Regierung
versteht die Türkei ganz im Sinne des Staatsgründers als Land mit einem einheitlichen
Staatsvolk. Hinter jedem Versuch, sich zu einer anderen als der türkischen
Nationalität zu bekennen, sieht die offizielle Türkei die Gefahr des Separatismus.
Auch Kollaboration mit den Unterdrückern
- So wie die Kurden in den verschiedenen Ländern, wo sie
ihren Wohnsitz haben, oftmals und bis in die Gegenwart gezielter Unterdrückung unterliegen,
haben sich Angehörige des kurdischen Volkes so wie Vertreter anderer unterdrückter Völker
durchaus auch an der Seite der Herrschenden an Zwangsmaßnahmen gegen andere Unterdrückte beteiligt.
So sollen auch Kurden an den berüchtigten Armeniergräueln des Jahres 1915, dem Genozid
gegen das armenische Volk im Osmanischen Reich, beteiligt gewesen sein.
Geografische Bezeichnung 'Kurdistan'
- Bezeichnet das hauptsächlich oder überwiegend von Kurden bewohnte
Gebiet in Vorderasien. Als Kurdistan wird ebenso das 1991/92 im Ergebnis des
kurdischen Aufstandes geschaffene de facto autonome Gebiet der Kurden im
Norden des Irak bezeichnet. Auch eine Provinz im Westen des
Iran trägt den Namen Kurdistan (Kordistan).
Quelle: mdr.de, 24.03.03