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Die Ereignisse in der in Äquatorialafrika gelegenen Demokratischen Republik Kongo (amtlich République Démocratique du Congo) bis 1997 Zaire, erschüttern zur Zeit die Weltöffentlichkeit.
Die Hintergründe und der Verlauf dieses Konflikts
Quelle: Brockhaus-Enzyklopädie, Brockhaus in 15 Bänden
© F. A. Brockhaus 2003
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Anfang April 2003 starben bei Kämpfen zwischen den rivalisierenden Volksgruppen der Hema und Lendu und Rebellengruppen im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo (Provinz Ituri) rund 1000 Zivilisten. Der bereits seit über sechs Jahren andauernde Bürgerkrieg hat sich, außerhalb des Interesses der Weltöffentlichkeit, zu einem der blutigsten Konflikte nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Nach Angaben der UNO forderte er schon mehr als 2,5 Millionen Tote (andere Schätzungen belaufen sich auf über 4 Millionen). Der UN-Sicherheitsrat hat deshalb im Mai 2003 der Entsendung einer rund 1400 Mann starken multinationalen Friedenstruppe mit dem Mandat zur Anwendung von Waffengewalt zugestimmt, an dem sich die Europäische Union unter der Führung Frankreichs beteiligt; Deutschland leistet hierbei medizinische und logistische Unterstützung.
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Die in Äquatorialafrika gelegene Demokratische Republik Kongo, amtlich République Démocratique du Congo, bis 1997 Zaire, Hauptstadt Kinshasa, ist mit einer Fläche von rd. 2,3 Millionen Quadratkilometern (rd. 52 Millionen Einwohner) das drittgrößte Land Afrikas und damit etwa siebenmal so groß wie Deutschland.
Gemessen an den landwirtschaftlichen Bedingungen, einschließlich der auf dem größten zusammenhängenden Regenwaldanteil nach dem Amazonasgebiet fußenden Holzwirtschaft, sowie am Umfang und an der Vielfalt der mineralischen Rohstoffe (Kupfer, Kobalt, Kohle, Mangan, Zinn, Gold, Diamanten) und seiner Erdölvorkommen ist Kongo einer der reichsten Staaten Afrikas; mit seinem Bruttosozialprodukt gehört er jedoch zu den ärmsten Ländern der Erde, da die wirtschaftliche und politische Situation bis 1997 durch Korruption und Anarchie gekennzeichnet war und der seit 1998 anhaltende Bürgerkrieg zwischen rivalisierenden Stämmen und Rebellen eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung hemmt. Ein bestimmendes Motiv bei der Unterstützung der sich bekämpfenden Parteien durch die Nachbarstaaten ist die Gewinnung von Anteilen bei der Ausbeutung der reichen Bodenschätze.
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Von der belgischen Kolonie zur Unabhängigkeit
Die Forschungsreisen, besonders von D. Livingstone und H. M. Stanley, weckten im 19. Jahrhundert in Europa Interesse an der Kolonisierung Zentralafrikas. Gestützt auf die "Association Internationale du Congo" (gegründet 1879), schuf sich der belgische König Leopold II. als Privatmann mit Zustimmung der europäischen Großmächte (Kongokonferenz, 1884-85) den "Unabhängigen Kongostaat" ("Kongoakte"). In zum Teil langwierigen Kämpfen eroberten Truppen Leopolds II. das ihm zugesprochene Gebiet, zerstörten dabei die um 1870 durch den Sklavenhandel entstandenen Reiche und schlugen bis 1900 mehrere Aufstände nieder. Harte Kritik in Europa, besonders in Großbritannien, an dem Herrschafts- und Ausbeutungssystem Leopolds II. veranlasste 1908 das belgische Parlament, dem belgischen Staat die Herrschaft über den Kongostaat (seitdem Belgisch-Kongo) zu übertragen. Zwischen den beiden Weltkriegen nahm die Kolonie einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Als die seit 1953 entstandenen politischen Parteien, so die Alliance de Bakongo (ABAKO), seit 1960 Alliance Congolaise, unter Führung von J. Kasavubu und die von P. Lumumba geleitete Kongolesische Nationalbewegung (MNC), die sofortige Autonomie ihres Landes forderten, entließ Belgien seine Kolonie überstürzt in eine unvorbereitete Unabhängigkeit. Am 30. 6. 1960 wurde die Demokratische Republik Kongo ausgerufen (im Unterschied zu Kongo-Brazzaville, der heutigen, westlich anschließenden Republik Kongo, inoffiziell Kongo-Leopoldville, ab 1966 Kongo-Kinshasa genannt); Kasavubu wurde Staatspräsident, Lumumba Ministerpräsident.
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Die Demokratische Republik unter Lumumba
Die seit 1958/59 andauernden Unruhen spitzten sich weiter zu und führten zu Bürgerkrieg und wirtschaftlichem Chaos (Kongokrise); die damalige Provinz Katanga (heute Shaba) machte sich unter Führung des Provinzgouverneurs M. K. Tshombe selbstständig.
Um einer Meuterei des Militärs und einer Abspaltung der Region Katanga unter M. Tshombe zu begegnen, rief die Regierung die UNO zu Hilfe. Der am 15. 7. 1960 begonnene, von den USA unterstützte, weitgehend von blockfreien Staaten Afrikas und Asiens getragene, von der UdSSR und Frankreich kritisierte Einsatz von UN-Truppen (etwa 20 000 Mann) dauerte bis zum 30. 6. 1964. Als im September 1960 die Regierung im Streit zwischen Präsident J. Kasavubu und Premierminister P. Lumumba zerbrach, griff die UNO nicht ein. Lumumba wurde verhaftet, am 17. 1. 1961 nach Katanga ausgeliefert und dort ermordet. Bei Vermittlungsversuchen zwischen der Zentralregierung, ab August 1961 unter Premierminister Cyrille Adoula (geb. 1921, + 1978), und Tshombe erlitt UN-Generalsekretär D. Hammarskjöld am 18. 9. 1961 einen ungeklärten tödlichen Unfall. Erst im Januar 1963 beendete die UNO gewaltsam die Sezession Katangas.
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Die Wahlen von 1965 gewann die Sammlungsbewegung Tshombes; im Oktober 1965 wurde Tshombe von Staatspräsident Kasavubu entlassen. Daraufhin übernahm Mobutu Sese-Seko mit der Armee die Macht, ernannte sich zum Staatspräsidenten, gründete die Staatspartei MPR und leitete Anfang der 1970er-Jahre einen Afrikanisierungsprozess ein (u. a. teilweise Verstaatlichung ausländischer Konzerne). Den Staat und den namengebenden Fluss seines Landes ließ er in Zaire umbenennen. Von Angola aus kam es 1977 und 1978 zu Invasionen in die Provinz Shaba durch Truppen der Kongolesischen Nationalen Befreiungsfront, die den Sturz des autoritär herrschenden Mobutu Sese-Seko zum Ziel hatten, jedoch mit ausländischer Hilfe nach schweren Kämpfen zurückgeschlagen werden konnten.
Unter internationalem Druck verkündete Mobutu Sese-Seko, der sich innenpolitisch zugleich mit einer wachsenden Opposition konfrontiert sah, 1990 das Ende der Einparteienherrschaft, widersetzte sich jedoch grundlegenden Reformen. 1991 trat zum ersten Mal eine alle politischen Kräfte umfassende Nationalkonferenz zusammen. Nach politischen Kämpfen kam es unter L. Kengo wa Dondo 1994 zur Bildung einer Übergangsregierung, die sowohl vom Präsidenten als auch von den gemäßigten Teilen der Opposition anerkannt wurde. 1995 verlängerte der Hohe Rat im Einvernehmen mit dem Staatspräsidenten die seit 1990 andauernde Übergangsperiode bis 1997.
Neben der persönlichen Diktatur Mobutu Sese-Sekos, der Korruption und den immer zahlreicher werdenden Übergriffen der Sicherheitskräfte (besonders der Armee) destabilisierten separatistische Bewegungen v. a. im Süden (Provinz Shaba) und Osten (Provinz Kivu) den Gesamtstaat. Seit dem blutigen Bürgerkrieg in Ruanda (1994), bei dem etwa 800 000 Tutsi und Hutu ums Leben kamen, flohen zahlreiche Menschen (u. a. 1,2 Mio. ruandische Hutu) in den östlichen Teil des Landes, in die Regionen Nord- und Südkivu. Unter dem Druck der kongolesischen Zentralregierung, aber zunehmend infolge bürgerkriegsähnlicher Kämpfe und einer sich ausbreitenden Hungersnot kehrten 1996 etwa 600 000 Hutu v. a. mithilfe zahlreicher Nichtregierungsorganisationen (NGO) in ihre Heimat zurück.
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Demokratische Republik und Bürgerkrieg unter Kabila
Mit dem Versuch kongolesischer Regierungstruppen, den zum Tutsivolk gehörenden Stamm der Banyamulenge zu vertreiben, entwickelte sich Ende 1996 unter Führung von L. D. Kabila in Ostzaire ein von Uganda und Ruanda geförderter Aufstand, der im Mai 1997 zum Sturz Mobutu Sese-Sekos und seines politischen Systems unter Umbenennung Zaires in "Demokratische Republik Kongo" führte. Am 29. 5. 1997 übernahm Kabila offiziell als Staatspräsident die Führung des Landes.
Im August 1998 begann eine von Ruanda und Uganda mit Truppen unterstützte Militärrevolte gegen Kabila, der die Zusagen gegenüber diesen Staaten hinsichtlich einer Befriedung der Grenzgebiete nicht eingehalten hatte und sich von der Dominanz Ruandas zu lösen suchte. Auf seiten Kabilas intervenierten v. a. Angola, Simbabwe und Namibia militärisch. Im Juli/August 1999 unterzeichneten die an dem Konflikt Beteiligten ein Waffenstillstandsabkommen, das jedoch nur zu einem teilweisen Ende der Kampfhandlungen führte. Ein von Kabila eingesetztes Übergangsparlament nahm schließlich im August 2000 seine Arbeit auf. Nach einem tödlichen Attentat auf Kabila im Januar 2001 übernahm sein Sohn Joseph Kabila das Präsidentenamt.
Die im März/April 2002 im südafrikanischen Sun City geführten Friedensgespräche scheiterten und konnten den Bürgerkrieg, der seit seinem Ausbruch 1996 schätzungsweise 2,5 Mio. Menschenleben forderte, nicht beenden. Unter südafrikanischer Vermittlung schlossen schließlich die Präsidenten von Kongo und Ruanda im Juli 2002 einen Friedensvertrag, der u. a. den Rückzug der ruandischen Streitkräfte (etwa 40 000 Mann) aus Kongo sowie die Entwaffnung der Hutumilizen, die bislang von Kongo aus in Ruanda militärisch operierten, vorsieht. In einem am 6. 9. 2002 mit Uganda unterzeichneten Friedensabkommen wurde u. a. der Abzug der etwa 2000 ugandischen Soldaten sowie ein Vorgehen gegen die von Kongo aus in Uganda kämpfenden Rebellen geregelt. Nachdem erste Einheiten Ruandas und Ugandas abgezogen wurden, begann auch schrittweise der Abzug der schätzungsweise 12 000 simbabwischen Soldaten. Am 17. 12. 2002 unterzeichneten die wichtigsten Rebellenbewegungen mit der Regierung ein Friedensabkommen, das unter anderem die Beteiligung der Rebellengruppen an einer neuen Übergangsregierung der nationalen Einheit sowie bis Ende 2004 Wahlen vorsieht; bis zu diesem Zeitpunkt soll J. Kabila als Staatspräsident im Amt bleiben. Diese Regelungen wurden am 2. 4. 2003 im südafrikanischen Sun City in einem weiteren Vertrag bekräftigt. Außerdem einigten sich die am Konflikt Beteiligten auf eine neue Verfassung und die Integration der Rebellen in einer neu aufzubauenden Armee.
Mit dem Abzug der fremden Truppen begannen im Mai 2003 im Nordosten des Landes (Region Ituri im Grenzgebiet zu Ruanda und Uganda) wiederum schwere Kämpfe und Massaker zwischen den traditionell verfeindeten Volksgruppen der
bei denen auch der Streit um Landbesitz vor dem Hintergrund neuer Gold- und Ölfunde eine zusätzliche Rolle spielt. Ein besonderes humanitäres Problem stellen die von den Milizen zwangsrekrutierten Kindersoldaten dar. Die Vereinten Nationen entsandten daraufhin ein Beobachterteam der seit 1999 im Land stationierten UN-Mission MONUC in die Krisenregion. Wegen der anhaltenden Kämpfe zwischen den rivalisierenden Gruppen beschloss der UN-Sicherheitsrat die Entsendung einer internationalen Friedenstruppe, an der sich die Europäische Union unter französischer Führung beteiligt.
Quelle: Brockhaus-Enzyklopädie, Brockhaus in 15 Bänden
© F. A. Brockhaus 2003
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