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Im Alten Testament Bezeichnung der Angehörigen des Stammes beziehungsweise der Bewohner des Südreiches Juda. Nach der Babylonischen Gefangenschaft zunächst Bezeichnung der nicht jüdischen Umwelt für die Angehörigen des Volkes Israel. In der späteren Diaspora auch jüdische Selbstbezeichnung.
Der Begriff umfasst zwei Aspekte:
Nach rabbinischem Verständnis ist Jude, wer von einer jüdischen Mutter abstammt oder "rite" (nach orthodoxer Norm) zur jüdischen Religion, dem Judentum, übergetreten ist. Selbstverständnis der Juden (heute rund 14,4 Mio.) und religiös-kulturelle Entwicklung des Judentums sind geprägt von der durch die Diaspora bedingten ständigen Existenz als Minderheit und der damit ständig gegebenen Auseinandersetzung mit der nicht jüdischen Umwelt (als Abgrenzung oder Assimilation). Diese brachten unterschiedliche Ausformungen des Judentums mit jeweils besonderen sprachlichen, kulturellen und liturgischen Merkmalen hervor.
Den Ausgangspunkt der Zerstreuung in eine heute weltweite Diaspora bildeten
Im Mittelalter bildete sich die heute noch bestehende Teilung in
Im 19. Jahrhundert kam es in Europa (und in Zielländern europäisch-jüdischer Auswanderung) aufgrund der unterschiedlichen Haltungen gegenüber Emanzipation und Aufklärung zum Gegensatz zwischen Westjudentum und Ostjudentum, wobei sich das im Westen dominierende liberale Reformjudentum und konservative Judentum für eine weitgehende Assimilation öffneten, während die in Osteuropa vorherrschende jüd. Orthodoxie an traditionellen Orientierungen und strikter Thorafrömmigkeit festhielt.
Das Bestreben der Juden, in der Diaspora ihre kulturelle und religiöse Identität zu bewahren, traf seitens der nicht jüdischen Umwelt vielfach auf Ablehnung und hatte in Europa seit dem Mittelalter die Herausbildung einer ausgesprochenen Judenfeindschaft zur Folge, die - ursprünglich theologisch mit der Kollektivschuld der Juden am Tod Jesu "begründet" - zu Judenverfolgungen, Vertreibungen (1290 aus England, 1394 aus Frankreich, 1492 aus Spanien, 1497 aus Portugal), Zwangstaufen und Pogromen (im zaristischen Russland) führte, antisemitische Theorien nach sich zog (Antisemitismus) und ihren verbrecherischen Gipfel in der Ermordung eines Drittels aller Juden und der Vernichtung des europäischen Judentums während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland und Europa erreichte (Holocaust).
Vor dem Hintergrund dieser geschichtlich immer wieder neu gemachten Erfahrung von Anfeindung und Verfolgung und in ihren Anfängen nicht unwesentlich auch von dem religiös-messianischen Gedanken der Rückkehr des Volkes Israel in das Gelobte Land (Palästina) getragen, entstand seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts innerhalb des Judentums als politische (nationale) und soziale Bewegung die zionistische Bewegung (Zionismus), deren Ziel, die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina, mit der Ausrufung des Staates Israel am 14. 5. 1948 erreicht wurde. Die zionistischen Pioniere Palästinas selbst wurden für viele Juden zu Leitbildern eines neu gewonnenen jüdischen Selbstbewusstseins.
Quelle: Brockhaus - Lexikon
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