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Islamunterricht an deutschen Schulen

Zum geplanten Islamunterricht an Schulen in Baden-Württemberg
gab es den nachfolgenden interessanten Pressebeitrag. Des weiteren wurde in einem "begleitenden" Pressebeitrag beschrieben, dass andere Bundesländer schon weiter sind.

Pressebeitrag:

An baden-württembergischen Schulen wird es auf absehbare Zeit keinen islamischen Religionsunterricht geben. Wegen Meinungsverschiedenheiten vor allem über die Lehrpläne der vierten Klassen werde es zunächst auch keinen Modellversuch geben, teilten Mitglieder der Steuerungsgruppe mit. Das Gremium arbeitet seit drei Jahren am Konzept für den Islam-Unterricht. Ursprünglich sollte der Islam-Unterricht vom kommenden Schuljahr an in einigen Schulen erprobt werden.

Die Steuerungsgruppe habe sich an "sehr grundsätzlichen Fragen" festgefahren, berichtet Professor Peter Müller von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, der die Gruppe als Moderator begleitet und berät. Der Lehrplan für die ersten drei Klassen stehe. Doch dann hakt es: Wenn im islamischen Religionsunterricht der vierten Klasse Fragen nach dem Stellenwert von Christen im islamischen Gefüge gestellt werden, oder nach der Gleichberechtigung von Mann und Frau, dann gingen die Meinungen deutlich auseinander. "Momentan sieht das nach Stillstand aus. Aber ich sehe auch die Fortschritte", sagt Müller.

Ali Demir vom Landesverband der "Religionsgemeinschaft des Islam" formuliert es drastischer: "So geht das nicht weiter." Der Steuerungsgruppe gehören vier verschiedene muslimische Gruppierungen an, zwischen diesen gebe es "sehr starke Divergenzen". Die extrem Konservativen versuchten "mit aller Macht", ihre Auffassung von einer politischen Religion durchzusetzen. Das könne nicht geduldet werden, schließlich solle der Unterricht die Integration fördern und nicht die Separierung. "Der Glaube an den einen Gott muss im Mittelpunkt stehen", darauf beharrt Demir. Einigen Mitgliedern der Steuerungsgruppe wirft Demir enge Kontakte zu fundamentalistischen Kreisen vor, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen.

Eine weitere Krux ist die Trägerschaft: Keiner der vier Antragsteller hat den grundgesetzlich geforderten Status einer Religionsgemeinschaft. Dem Staat obliege nur die organisatorische Rolle. Für den Inhalt müsse eine anerkannte Religionsgemeinschaft geradestehen, erklärt Barbara Lichtenthäler vom Kultusministerium.

Ein langwieriger Prozess

Die baden-württembergische Steuerungsgruppe gibt nicht auf. "Das Kultusministerium will einen Prozess von unten, aber der dauert eben etwas länger", sagt Müller. Noch immer würden Schulversuchen angestrebt: "Wir müssen Erfahrungen sammeln." Was den Zeitrahmen anbelangt, gibt sich der Professor vorsichtig - "vielleicht im August 2004". Keine Diskussionen sei über die Auswahl der Lehrer möglich: "Sie müssen gut Deutsch sprechen und im System drin sein. Das heißt: Sie müssen eine theologische Ausbildung in Baden-Württemberg nachweisen." Im Südwesten gibt es 70 000 muslimische Schüler.

Quelle: Südwestpresse, 10.06.2003

 

 

Andere Bundesländer sind schon weiter

Im Vergleich zu anderen Bundesländern steht Baden-Württemberg mit seinen Bestrebungen, Islam-Unterricht einzuführen, erst am Anfang.
In Nordrhein-Westfalen gibt es seit 1986 das Fach "Islamische Unterweisung" im Rahmen des freiwilligen muttersprachlichen Unterrichts. 55 Schulen beteiligen sich zudem an einem Modellversuch der "Unterweisung" in deutscher Sprache.
"Islamische religiöse Unterweisungen" wurden in Bayern Mitte der 80er Jahre eingeführt. Im kommenden Schuljahr beginnt der Freistaat an einer Schule mit staatlichem Islam-Unterricht. Der Modellversuch wird gemeinsam mit örtlichen Muslimen organisiert.
Auch in Niedersachsen wird der Unterricht kommendes Schuljahr zunächst an acht Schulen erprobt.
In Berlin läuft er auf freiwilliger Basis und ist für jede anerkannte Religionsgemeinschaft offen. Das soll aber geändert werden.
Rheinland-Pfalz beginnt Mitte 2004 an einer Grundschule mit dem Unterricht;
in Hessen gibt es vom kommenden Schuljahr an Ethik-Unterricht mit Schwerpunkt Islam.

Quelle: Südwestpresse, 10.06.2003

 

 

 

 

 

 

 

 

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bobby proved