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Hutu-Tutsi-Konflikt

Hierzu ein interessanter Beitrag mit dem Titel "Hutu-Tutsi - ein ethnischer oder ein sozialer Konflikt?"

Stamm, Rasse, Volksgruppe - ein Definitionsproblem

Die westliche Öffentlichkeit macht es sich zu einfach, den Konflikt in Ruanda auf einen ethnischen Konflikt zu reduzieren. Zwei afrikanische Stämme, die sich in unzivilisierter Weise niedermetzeln, geben eine gute Erklärung für diesen Bürgerkrieg, der seinen Ursprung also im primitiven Tribalismus der Schwarzen hat. Doch ist die ruandische Gesellschaftsstruktur viel differenzierter, als wir Europäer es vermuten. Man kann in weitestem Sinne von drei vorherrschenden Volksgruppen sprechen:

Doch handelt es sich nicht um drei klar definierte Volksstämme. Bis heute kann eine unterschiedliche Abstammung wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen werden. Es gibt Theorien, die nachzuweisen versuchen, daß die Hutu der Bantu-Rasse entstammen und die Tutsi Nachkommen der Hamiten seien, die im 17. Jahrhundert von Äthiopien eingewandert seien. Doch sind das lediglich Versuche, Ruanda ein "typisch afrikanisches" Sozialgefüge aufzustülpen.

Die Hutu, Tutsi und Twa bewohnen denselben geographischen Raum, sprechen dieselbe Sprache, das sehr komplizierte Ikinyarwanda, haben eine gemeinsame Kultur und Weltanschauung und gehören der Nation der Banyarwanda (Ruander) an. Ein Tutsi kann auch gleichzeitig ein Hutu sein, da auch "inter-ethnische" Heiraten in Ruanda gang und gäbe sind. Rein äußerlich sind allerdings Unterschiede bemerkbar. Die Tutsi, groß gewachsen und mit feinen Gesichtszügen, wurden von den Kolonialherren oftmals als "schwarze Weiße" bezeichnet, was einem heute sehr rassistisch anmutet. Die Hutu dagegen entsprächen mit ihren "typisch-afrikanischen" Gesichtszügen und dem gedrungenen Körper dem Klischee des "Negers". Der entscheidende Unterschied freilich ist sozialer Art.

Festigung der Klischees in der Kolonialzeit

Schon bei Ankunft der ersten Weißen Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine klare Rollenverteilung. Damals war der König (=Mwami) aus der Gruppe der Tutsi die vorherrschende Macht im Lande. Die Tutsi waren Besitzer großer Rinderherden, die Hutu dagegen nur einfache Bauern, die Twa dienten nach Aussagen der ersten Forscher v.a. als Hofnarren am Königshof.

Die Kolonialherren bemühten sich nun, aus dieser Gesellschaftsordnung eine Stammesordnung zu schaffen. Die neuen Herren im Lande, zuerst die Deutschen, später die Belgier, entschieden sich für eine enge Zusammenarbeit mit der Monarchie und stützten somit die Vorherrschaft der Tutsi. Erst durch die Begünstigung seitens der Kolonialverwaltung erreichten die Tutsi eine Machtfülle, die sie vorher nie innegehabt hatten. So sahen die Europäer sich in ihrem Klischee bestätigt, daß die "Rasse" der Tutsi der der Hutu überlegen sei und man hier von verschiedenen Stämmen sprechen könne.

Nach der Unabhängigkeit Ruandas 1962 übernahm das neue Regime die von den Europäern gefestigten Klischees und fing an, die Probleme des neu gegründeten Staates zu "ethnisieren", indem es einen "Stamm" zum Sündenbock machte. So diente die Stammes-Theorie von nun an als Erklärung für fast alle Konflikte Ruandas.

Rasse, Kaste, Klasse, Stamm, Ethnie - es ist kaum möglich den passenden Begriff für die Hutu und Tutsi zu finden. Manche Historiker haben sich darauf geeinigt, den Begriff der "politisierten Ethnizität" zu verwenden. Der Einfachheit halber werde ich weiterhin von Volksgruppen sprechen

Quellen:

Weitere ausführliche Informationen:

 

 

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bobby proved