Türkische "Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front" (DHKP-C)
Am 9. Juli 2003 durchsuchte die Polizei in sieben Bundesländern (Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Thüringen) insgesamt 45 Wohnungen und Büros von Verdächtigen aus dem Bereich der DHKP-C . Dabei konnten u. a. PCs, Handys, Propagandamaterial, schriftliche Unterlagen und eine Schusswaffe sichergestellt werden. Ein wegen räuberischer Erpressung mit Haftbefehl gesuchter Türke wurde festgenommen.
"Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front" (DHKP-C)
- gegründet: 1994 in Damaskus (Syrien) nach
Spaltung der 1978 in der Türkei
gegründeten, 1983 in Deutschland
verbotenen "Devrimci Sol"
(Revolutionäre Linke)
- Leitung: Generalsekretär Dursun KARATAS
- Mitglieder/Anhänger: ca. 750 (2001: 850)
- Publikationen: u. a. "Devrimci Sol"
(Revolutionäre Linke),
unregelmäßig;
"Vatan" (Heimat),
wöchentlich, eingestellt im März 2002,
seitdem
"Ekmek ve Adalet" (Brot und
Gerechtigkeit),
wöchentlich
- Organisationsverbot: seit 13. August 1998
- Die marxistisch-leninistisch orientierte DHKP-C zielt auf eine revolutionäre
Zerschlagung der bestehenden türkischen Staats- und Gesellschaftsordnung und propagiert
das Endziel einer sozialistischen Gesellschaft "ohne Ausbeutung und ohne Klassen".
Nach wie vor spricht sich die Organisation, insbesondere deren militärischer Arm, die
"Revolutionäre Volksbefreiungsfront" (DHKC), für den bewaffneten Kampf aus:
"Wir verteidigen weiterhin die Revolution! ... Der Weg zur Änderung ...
der Situation in der Türkei ... führt nicht über die Wahlurne, sondern
über den revolutionären Kampf..
(Erklärung des DHKC-Informationsbüros in Amsterdam vom
22. August 2002)
- Neben dem türkischen Staat sieht die DHKP-C ihren Hauptfeind in
den USA bzw. im "US-Imperialismus". Unter der Überschrift "Die Organisation hat Amerika und sein Vorgehen in Afghanistan offen kritisiert" wandte sich die DHKC in einer im Februar im Internet verbreiteten
Erklärung gegen die Aufnahme der DHKP-C in die in den USA
geführte Liste terroristischer Organisationen. Das eigentliche Ziel der
USA sei nicht die Bekämpfung islamistischer terroristischer Gruppierungen,
sondern aller Organisationen und Völker, die sich gegen Imperialismus und "kapitalistische Ausbeutung"
auflehnten. Die DHKC rief dazu auf, dem "amerikanischen Imperium" gemeinsam entgegen
zu treten:
"Völker, Länder, Organisationen, jeder der Brot und Gerechtigkeit
möchte, jeder der Unabhängigkeit und Demokratie möchte, sollte sich
gegen die USA vereinigen".
(Presseerklärung der DHKC vom 14. Februar 2002)
- Zum 1. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 in
den USA verbreitete der politische Arm der DHKP-C, die "Revolutionäre Volksbefreiungspartei" (DHKP),
im Internet eine Erklärung unter der Überschrift
"Die Wahrheit: Der amerikanische Imperialismus bedeutet Ausbeutung und Massaker". "Terror"
und "Aggressionen" des "US-Imperialismus" hätten nach den Anschlägen neue Dimensionen
erreicht. Unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung zielten sie auf eine Versklavung der Weltbevölkerung.
Die europäischen "Imperialisten" hätten sich den USA untergeordnet.
Die DHKP als "Partei der Unterdrückten" stehe im Kampf gegen die USA auf der Seite aller
anti-imperialistischen Kräfte, wie z. B. "Islamisten, Revolutionäre,
Demokraten, Globalisierungsgegner, Umweltschützer".
Auch dem irakischen Volk versicherte die DHKP-C Solidarität im
Kampf gegen die USA:
"Natürlich sind wir auf der Seite des irakischen Volkes! Natürlich sind
wir gegen die USA! ... Das ist ein Angriff des amerikanischen Imperiums,
um die Völker der Welt in seine Gewalt zu bringen. Der Angriff
ist nicht nur gegen den Irak, sondern gegen alle Völker der Welt
gerichtet!"
("Ekmek ve Adalet" Nr. 19 vom 28. Juli 2002)
Fortsetzung der Hungerstreiks in türkischen Haftanstalten
- Beherrschendes Agitations- und Kampagnenthema der DHKP-C blieb
der im Oktober 2000 in türkischen Haftanstalten begonnene Hungerstreik. Während das sog.
Todesfasten von acht anderen am Hungerstreik beteiligten türkischen linksextremistischen Organisationen am
28. Mai beendet wurde, entschlossen sich die Gefangenen der
DHKP-C zu einer Fortsetzung. In einer Propagandaschrift des DHKP-C-nahen "Komitees gegen Isolationshaft"
(IKM) erschien eine Durchhalte-Erklärung der "Todesfastenden" mit massiver Kritik am Verhalten der anderen Gruppierungen:
"Wir werden mit dem Widerstand weitermachen. Der Widerstand wird
lange dauern ... Die Aufgabe auf unseren Schultern ist, die Fahne des
Widerstands der Völker gegen den amerikanischen Imperialismus
und die Oligarchie wehen zu lassen ... Dieser Weg ist ein Widerstand,
der nach dem Motto .Entweder Sieg oder der Tod. gegangen wird ...
Die Opfer können noch mehr werden, das nehmen wir in Kauf."
("Ekmek ve Adalet" Nr. 11 vom 3. Juni 2002)
- An den Folgen des Hungerstreiks sind inzwischen mehr als 60 Menschen,
mehrheitlich Mitglieder der DHKP-C, gestorben. Zwei DHKP-C
gesteuerte Gruppen, der .Solidaritätsverein mit den politischen Gefangenen und
deren Familien in der Türkei. (TAYAD) und das IKM,
versuchten mit nachlassendem Engagement vor allem durch Informationsveranstaltungen,
Demonstrationen und Kundgebungen auf die
Situation der "politischen Gefangenen" aufmerksam zu machen. So
nahmen am 28. September in Köln etwa 300 Anhänger der DHKP-C
an einem Demonstrationszug teil. Im Verlauf des Hungerstreiks eingetretene
Todesfälle führten zu Kundgebungen vor den türkischen
Generalkonsulaten in Frankfurt am Main und Hamburg. Angehörige
der DHKP-C aus Deutschland beteiligten sich zudem am
10. September an einer Demonstration vor einem Gebäude der Europäischen Union
in Straßburg, bei der eine Unterschriftenliste gegen
die Haftbedingungen in türkischen Gefängnissen übergeben wurde.
- Die regelmäßige Feier der DHKP-C zum Jahrestag ihrer Gründung
und zum Gedenken an die .Gefallenen der Revolution. fand diesmal
am 27. April in Leiden (Niederlande) statt. Im Vergleich zum Vorjahr
war jedoch mit etwa 2.500 Teilnehmern (2001: ca. 5.000) ein starker
Besucherrückgang zu verzeichnen.
- Zahlreiche Festnahmen und Verurteilungen von Funktionären und
Aktivisten der DHKP-C wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen
Vereinigung führten zu einer erheblichen personellen Schwächung
der Organisation.
- Quelle: Bundesamt für Verfassungsschutz