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Charidschiten, Charidjiten, Chawaridj

Charidschiten, auch Charidjiten oder Chawaridj, (arabisch charidschi: sinngemäß "die außerhalb Befindlichen" oder "die Ausziehenden"), eine der ältesten islamischen Glaubensgemeinschaften.

Die Charidschiten waren ursprünglich Anhänger des Kalifen Ali ibn Abi Talib, dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammeds. Ali wurde nach der Ermordung des Kalifen Othman 656 zunächst zum Nachfolger gewählt. Er hatte jedoch nicht die Zustimmung aller Muslime, zumal er seit längerer Zeit zu den Feinden Othmans zählte und dessen Ermordung nie aufgeklärt werden konnte. Die Auseinandersetzung ging in einen Bürgerkrieg über. Zwar gelang es Ali den ersten offenen Aufstand niederzuschlagen, aber er sah sich zunehmendem politischem Druck ausgesetzt und zog sich aus Arabien zurück.

657 kam es zu einem neuen Kampf. In der Schlacht von Siffin forderte die Streitmacht um Muawija, den Statthalter von Damaskus, durch ein Gottesurteil die Frage zu beantworten, wer rechtmäßig Anspruch auf den Kalifentitel habe. Die zweite Partei, die Charidschiten, lehnte diese Forderung als Gotteslästerung strikt ab. Als Ali entschloss, sich dem Schiedsspruch zu unterwerfen, wandten sich die Charidschiten von ihm ab. Das Schiedsgericht sprach sich gegen Ali aus, Nachfolger Othmans wurde Muawija, der wie sein Vorgänger aus dem Geschlecht der Omaijaden stammte. Die Charidschiten sahen in allen übrigen Muslimen Ketzer. Im Raum des heutigen Iran und Irak erlangten sie über zwei Jahrhunderte eine gewisse Bedeutung und stellten stets eine Bedrohung für die Omaijadenkalifen dar.

Aufgrund der Betonung der reinen Lehre und ihrer strengen ethischen Forderungen waren die Charidschiten Vorbilder für die im 18. Jahrhundert gegründete Wahhabitenbewegung im heutigen Saudi-Arabien. Auch in Nordafrika hatten sie aufgrund ihrer religiösen Vorstellungen und kompromisslosen, von Autonomiebestebungen durchdrungenen politischen Ideen erheblichen Einfluss auf den Freiheitskampf der Berber. Die Mehrzahl der Charidschiten lebt heute in Nord- und Ostafrika, in Oman sowie auf den Inseln Sansibar und Djerba, wo sie sich Adaditen bzw. Ibaditen nennen.

Quelle: Microsoft® Encarta® Enzyklopädie Professional 2003.
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