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DETLEV AHLERS
Mit den Anschlägen in Riad, die die Handschrift der Al-Kaida tragen, ist der Terror dort angekommen, von wo er einst ausging. Die meisten der Attentäter vom 11. September 2001 waren Saudis, auch ihr Anführer Osama bin Laden. Die Erschütterung des Königshauses, ein Pfeiler der Nahostpolitik der USA, ist den Mördern damit so grausam wie hervorragend gelungen, auch wenn solche Verbrechen eine Herrschaft zunächst stabilisieren.
Außenstehenden gilt Saudi-Arabien, das Land von Mekka und Medina, als Musterbeispiel eines bis zur Intoleranz vom Islam geprägten Staates: andere Religionen sind verboten, Alkohol auch, und das islamische Scharia-Recht mit Körperstrafen und Frauendiskriminierung wird streng befolgt. So verwundert es, dass ausgerechnet dort Missmut über eine angeblich unislamische Herrschaft brodelt.
Aber genau das geschieht. Im November 1979, am Neujahrstag des Mondjahres 1400, haben 400 Fanatiker für zwei Wochen die Moschee in Mekka besetzt, weil der König den sunnitischen Glauben in seiner strengstmöglichen, der wahhabistischen Ausprägung verrate. Fernsehen sei unislamisch, und im Königshaus fließe Whisky. Die seit der Kuwaitkrise 1990 im Lande stationierten US-Soldaten - Christen und sogar Juden sind dabei! - sind mehrfach Anschlagsziel gewesen. Doch der wahre Feind der Al-Kaida sind der König und sein Haus: Seine Herrschaft bröckelt nicht erst seit gestern.
Quelle: Südwestpresse, Erscheinungsdatum: Mittwoch 14.05.2003
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