Russische Föderation / Russland
Staatsangehörige dieses Staates benötigen für die Einreise nach Deutschland grundsätzlich ein Visum (Art. 1 Abs. 1 EUVisumVO, § 4 I AufenthG, § 15 AufenthV). Der Umfang der erlaubten Erwerbstätigkeit ergibt sich aus dem Aufenthaltstitel (§ 4 Abs. 2 AufenthG).
Staatsangehörigkeitsschlüssel "160"
Kraftfahrzeugkennzeichen "RUS" * ISO-Code-Kurzbezeichnung "RU / RUS"

Russische Föderation / Russland
Republik in Osteuropa und Nordasien,
mit 17075400 km2 der flächenmäßig größte Staat der Erde.
144,8 Mio. Einwohner; Hauptstadt: Moskau; Amtssprache: Russisch.
Verfassung:
- Verfassung von 1993. Russland ist föderative Republik mit Präsidialsystem. Staatsoberhaupt und Oberster Befehlshaber der Streitkräfte ist der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete Präsident (auf 4 Jahre direkt gewählt). Er ernennt die Regierung unter Vorsitz des Ministerpräsidenten, bestimmt die Richtlinien der Politik, kann die Staatsduma auflösen und mit Dekreten regieren. Die Gesetzgebung liegt beim Zweikammerparlament (Staatsduma und Föderationsrat). - Verwaltungsgliederung: 21 Republiken, 6 Regionen, 49 Gebiete, 2 bundesunmittelbare Städte, 1 autonomes Gebiet, 10 autonome Kreise.
Landeskunde:
- Russland erstreckt sich von der Ostsee und dem Schwarzen Meer, nach Osten hin bis zum Pazifik und der Beringstraße, von den innerasiatischen Hochländern bis zum Nordpolarmeer. Im Landschaftsbild überwiegen Ebenen, die der Ural in Osteuropäische Ebene und Westsibirisches Tiefland teilt; daran schließen sich im Nordwesten die Bergländer Kareliens, im Süden der Kaukasus (im Elbrus 5 642 m) und die Kaspische Senke, im Osten das Mittelsibirische Bergland sowie die Gebirge Ostsibiriens und die hohen Gebirge des Fernen Ostens an. Der Gebirgsgürtel wird am Pazifischen Ozean durch das Korjakengebirge sowie durch die an Vulkanen (u. a. Kljutschewskaja Sopka, 4 835 m) reichen Gebirge Kamtschatkas und der Inselkette der Kurilen abgeschlossen. Vor der fernöstlichen Küste liegt Sachalin (größte russische Insel); der nordsibirischen Küste sind zahlreiche Inseln vorgelagert (z. B. Nowaja Semlja, Sewernaja Semlja.
- Russland erstreckt sich über mehrere Klimazonen vom polaren Klima im arktischen Norden und im Osten bis zum warmgemäßigten, subtropischen Klima an der Schwarzmeerküste. Von Westen nach Osten zeigt das Klima abnehmenden atlantischen Einfluss. Die große Landmasse und fehlender Gebirgsschutz gegenüber den arktischen Luftmassen sind die wesentlichen Ursachen für das nach Osten mit zunehmender Trockenheit und wachsenden Temperaturschwankungen immer extremer werdende Kontinentalklima. Bei Oimjakon (südöstlich von Werchojansk) beträgt der Temperaturunterschied 69°C zwischen wärmstem (Juli + 16°C) und kältestem Monat (Januar -53°C).
Bevölkerung:
- Über 100 verschiedene Völkerschaften (davon 7 mit über 1 Million, 19 mit über 100 000 Angehörigen) leben in Russland. Den Hauptanteil haben die staatstragenden Slawen (82% Russen, 3% Ukrainer); die zweitgrößte Gruppe bilden die turkmongolischen Völker (3,8% Tataren, 1,2% Tschuwaschen, 0,9% Baschkiren); der deutsche Bevölkerungsanteil (0,6%) ist rückläufig. Die Hauptsiedlungsgebiete nichtrussischer Gruppen sind der Nordkaukasus (Tschetschenen u. a.), Wolga- und Uralgebiet (Tataren und andere Völker), Südsibirien (turksprachige und mongolische Völker) und Nordsibirien (Jakuten u. a.). In all diesen Gebieten leben auch Russen, die zum Teil sogar die Mehrheit stellen. Russisch ist Staatssprache, daneben sind in den einzelnen Teilrepubliken die jeweiligen Sprachen Amtssprache.
- Größte Religionsgemeinschaft ist die russisch-orthodoxe Kirche. Unter dem massiven Druck der kommunistischen Machthaber verlor die russisch-orthodoxe Kirche jedoch einen Großteil ihrer Gläubigen. Seit dem politischen Machtwechsel erlebt sie nun wieder einen starken Zulauf. An zweiter Stelle steht der Islam (besonders in Tatarstan, Baschkirien, Dagestan und Tschetschenien). Außer Protestanten, Katholiken und Juden gibt es noch eine größere buddhistische Minderheit (vor allem in Südsibirien) sowie zahlreiche Sekten..
- Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleichmäßig: etwa 65% der Bevölkerung leben im europäischen Teil, in Sibirien leben dagegen nur 35%. Infolge der Industrialisierung steigt der Anteil der städtischen Bevölkerung (1913: 18%, 2000: 73%); neben den Metropolen Moskau und Sankt Petersburg gibt es weitere 11 Millionenstädte.
Wirtschaft und Verkehr:
- Bis nach dem Ersten Weltkrieg Agrarstaat, nach 1928, besonders aber nach dem Zweiten Weltkrieg, nahm unter der Sowjetherrschaft die Industrialisierung (überwiegend Schwerind.) rasch zu. Seit den 1970er-Jahren wirtschaftliche Stagnation, die 1990/91 an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs führte.
Auch die 1992 eingeleiteten Wirtschaftsreformen mit einhergehender Privatisierung führten bisher noch nicht zum Ende der krisenhaften Entwicklung. - Die unter kommunistischer Herrschaft durch Kolchosen und Sowchosen betriebene Landwirtschaft wurde nach 1990 weitgehend privatisiert.
Von der rd. 210 Mio. ha großen landwirtschaftl. Nutzfläche sind 61 % Ackerland und 37 % Weiden und Wiesen. Neben Kolchosen und Sowchosen entstanden nach 1991 Aktiengesellschaften und einzelbäuerliche Betriebe. Hauptanbauprodukte sind Getreide, Futterpflanzen, Zuckerrüben, Kartoffeln, Gemüse, Sonnenblumen. Bedeutende Viehzucht (Rinder, Schweine, Schafe; im Norden Rentierzucht, z. T. auch Pelztierjagd und -zucht) und Forstwirtschaft (etwa 45 % der Landesfläche waldbedeckt), Fischerei in den Randmeeren und in internat. Gewässern.
Bodenschätze und Bergbau: Energierohstoffe (Kohle, Erdgas und Erdöl), Eisenerz, Nichteisenmetalle, Diamanten, Kalisalze, Bauxit, Uran u. a. Die Industriezentren liegen um Moskau und Sankt Petersburg, im Ural und im südlichen Westsibirien. Maschinen- und Fahrzeugbau, chem. und Rüstungsindustrie, Leicht- und Lebensmittelindustrie.
Die Elektroenergieerzeugung erfolgt durch Wärme- (68 %), Wasser- (20 %) und Kernkraftwerke (12 %). Haupthandelspartner sind die GUS-Staaten, Deutschland, baltischen Staaten. Ausfuhr: Erdgas, Erdöl, Elektroenergie, Eisen-, Buntmetalle; Einfuhr: Maschinen, Ausrüstungen, Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse.
- 86 000 km Eisenbahnstrecken und 756 000 km Straßen; umfangreiche Binnenschifffahrt; Kanäle (Marienkanalsystem, Moskau-Kanal, Ostsee-Weißmeer-Kanal, Dnjepr-Bug-Kanal, Wolga-Don-Kanal) nur im europäischen Landesteil. Wichtigste Hochseehäfen: Sankt Petersburg, Murmansk (einziger eisfreier Hafen), Archangelsk, Noworossisk, Astrachan, Nachodka/Wostotschnyj und Wladiwostok. Die wichtigsten internationalen Flughafen sind in Moskau und Sankt Petersburg.
Geschichte:
- 6. Jh. Zuwanderung slawischer Stämme (Ostslawen) in das Gebiet am Dnjepr und um den Ilmensee.
- 9./10. Jh. Entstehung normannischer Fürstentümer.
- (Ankunft von Rurik und seinen Brüdern 862).
- 882 Oleg, der Nachfolger Ruriks, vereinigt mit seinem Zug nach Kiew die waräg. Fürstentümer, Bildung der Kiewer Rus.
- 988 Wladimir der Heilige (978-1015) nimmt von Byzanz das Christentum an. Ausgedehnte Handelsbeziehungen zum Byzantin. Reich.
- 12./13. Jh. Aufsplitterung des Kiewer Reiches in Einzelfürstentümer.
- 1223 Niederlage der Russen und Polowzer gegen die Mongolen am Fluss Kalka.
- 1237 Beginn der Unterwerfung der russischen Fürstentümer durch die Mongolen (Batu Khan), Tributzahlungen an die Goldene Horde.
- 1242 Sieg Alexander Newskis (Fürst von Nowgorod) über den Deutschen Orden (Schlacht auf dem Eis des Peipussees).
- 1380 Sieg des Moskauer Großfürsten Dmitri Donskoj (1359-89) über die Tataren.
- 1462 Iwan III., der Gr. (1462-1505), wird Großfürst von Moskau und gliedert Jaroslawl (1463), Rostow (1474), Nowgorod (1478) und Twer (1485) dem Moskauer Staat an.
- 1472 Iwan III. heiratet die Nichte des letzten byzantinischen Kaisers und übernimmt den Doppeladler als russischen Wappen.
- 1480 Ende der tatarischen Oberhoheit über Russland.
- 1547 Iwan IV., der Schreckliche (1533-84), wird zum Zaren gekrönt. Eroberung von Kasan (1552) und Astrachan (1556).
- 1582 Sieg des Kosakenführers Jermak Timofejewitsch über den Khan von Sibirien, Beginn der Eroberung Sibiriens.
- 1582/83 Niederlage im Livländ. Krieg (1558-83).
- 1605 Nach dem Tod des Zaren Boris Godunow (1598-1605) beginnt die "Zeit der Wirren", eine wirtschaftlichen, politischen und soziale Krisenperiode, in deren Verlauf Moskau 1610-12 von Polen besetzt wird.
- 1613 Thronbesteigung von Michail Fjodorowitsch (1613-45) aus dem Haus Romanow.
- 1654-1667 Angliederung der östlichen Ukraine mit Kiew.
- 1670 Bauern- und Kosakenaufstand unter S. Rasin.
- 1700 Peter I., der Große (1682-1725), beginnt den 2. Nord. Krieg, in dessen Verlauf Russland nach anfänglichen Niederlagen gegen Schweden (Kriegsumschwung mit dem russ. Sieg bei Poltawa 1709) im Frieden von Nystad 1721 bedeutende Territorialgewinne erzielt (Livland, Estland, Ingermanland) und zur Großmacht aufsteigt. Die neue Hauptstadt St. Petersburg wird 1703 gegründet. Annahme des Kaisertitels durch Peter der Gr., der auch die innere Europäisierung Russlands einleitet.
- 1757-1762 Im Siebenjährigen Krieg besetzt Russland Ostpreußen, 1760 auch kurzzeitig Berlin. Der überraschende Friedensschluss 1762 durch Peter III. rettet Friedrich II. von Preußen vor der totalen Niederlage.
- 1762-1796 Während der Regierungszeit Katharinas II. (geb. Prinzessin von Anhalt-Zerbst) erzielt Russland große Territorialgewinne am Schwarzen Meer (1783 Annexion der Krim) und in Ostpolen durch die Polnische Teilungen (1772, 1793, 1795); Volksaufstand unter J. Pugatschow (1773-75).
- 1809 Schweden muss Finnland an Russland abtreten.
- 1812 Niederlage Napoleons I. in Russland in den Freiheitskriegen.
- 1815 Russland wird durch den Wiener Kongress das polnische Kerngebiet ("Kongresspolen") zugesprochen.
- 1825 Dekabristenaufstand.
- 1853-1856 Im Krimkrieg erleidet Russland eine Niederlage.
- 1859 Abschluss der Unterwerfung der Kaukasusvölker, Eroberung von Turkestan (1864), Taschkent (1865), Samarkand (1868).
- 1861 Aufhebung der bäuerlichen Leibeigenschaft.
- 1873 Dreikaiserabkommen mit Deutschland und Österreich-Ungarn.
- 1877/78 Sieg Russlands im Krieg gegen die Türkei.
- 1878 Beginn von Terroraktionen revolutionärer Gruppen (1881 Ermordung Zar Alexanders II.).
- 1887 Rückversicherungsvertrag mit Deutschland.
- 1891-1893 Verträge mit Frankreich; Anwachsen des russischen Nationalismus (Panslawismus).
- 1898 Gründung der Sozialdemokrat. Arbeiterpartei Russlands (1903 Spaltung in Bolschewiki und Menschewiki).
- 1904/05 Russische Niederlage im Russ.-Japanischen Krieg unter Nikolaus II..
- 1905 Die blutige Niederschlagung von Massendemonstrationen ("Blutsonntag" in St. Petersburg, 22. 1.) führt zur Revolution und 1905/06 zur Bildung der Reichsduma (Volksvertretung).
- 1907 Englisch-russische Verständigung, die den Dreiverband mit Frankreich vollendet.
- 1914 Beginn des Ersten Weltkriegs, Besetzung Ostpreußens; schwere Niederlagen der russischen Armeen gegen deutsche Heere in den Schlachten von Tannenberg, an den Masur. Seen und in der Winterschlacht (7.-27. 2. 1915).
- 1917 Als Folge der Februarrevolution muss Zar Nikolaus II. zurücktreten, Bildung der bürgerlichen Provisor. Regierung, parallel dazu Herrschaftsanspruch der Räte (Sowjets), Zeit der "Doppelherrschaft". Mit der Oktoberrevolution Übernahme der Macht durch die Bolschewiki unter Führung Lenins.
- ----------------------------------
- 1918 Bildung der Russ. Sozialist. Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR), 3. 3. Friede von Brest-Litowsk mit den Mittelmächten. Danach vollzieht sich die Geschichte Russlands innerhalb der 1922 gegründeten Sowjetunion.
- ----------------------------------
- 1917 Mit der Oktoberrevolution stürzen die Bolschewiki die bürgerl. Provisor. Regierung und ergreifen unter Führung Lenins die Macht.
- 1918 Die im Januar zusammentretende Konstituante (gewählt im Nov. 1917) wird von den Bolschewiki gewaltsam aufgelöst, weil sie die "Sowjetmacht" nicht vorbehaltlos anerkennt; Proklamation der Russ. Sozialist. Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR); im März Verlegung des Regierungssitzes nach Moskau, das damit Hauptstadt wird; im Juli Annahme der 1. Verfassung der RSFSR; am 17. 7. Ermordung der Zarenfamilie durch die Bolschewiki. Am 3. 3. Abschluss des Friedensvertrags von Brest-Litowsk mit den Mittelmächten. Sowjetrussland verzichtet in diesem verlustreichen Sonderfrieden auf seine staatliche Hoheit über Polen, das Baltikum, die Ukraine, Finnland und die von der Türkei in Kaukasien beanspruchten Gebiete (nach der Kriegsniederlage der Mittelmächte von Sowjetrussland am 13. 11. annulliert). Im Mai Entstehung der unabhängigen Staaten Armenien, Aserbaidschan und Georgien.
- 1918-1921 Die Rote Armee, organisiert von L. Trotzki, geht aus dem Bürgerkrieg gegen "Weiße Armeen" ("Weißgardisten") und ausländ. Interventionstruppen als Sieger hervor. 1919/20 Rückeroberung der Ukraine, 1920 Besetzung Armeniens und Aserbaidschans, 1921 Eroberung Georgiens, 1920-21 Polnisch-Sowjetischer Krieg.
- 1920 Friedensverträge mit Estland, Lettland und Finnland, Waffenstillstand mit Polen (Friede von Riga 1921, Festlegung der polnisch-sowjetischen Grenze rd. 150 km östlich der Curzon-Linie).
- 1921 Niederschlagung des antibolschewist. Kronstädter Aufstands; schwere Hungersnot (4 bis 5 Millionen Opfer); Lenin leitet die "Neue Ökonom. Politik" (NEP) ein, mit der die Wirtschaft die Folgen des Kriegskommunismus beseitigt.
- 1922 Zusammenschluss der RSFSR mit der Sowjetrepubliken Ukraine, Weißrussland, Transkaukasien zur "Union der Sozialist. Sowjetrepubliken" (UdSSR); Stalin wird Generalsekretär der Kommunistischen Partei Russlands (die spätere KPdSU). In den Jahren bis 1929 baut er eine ihm ergebene Funktionärsschicht auf, schaltet seine innerparteiliche Gegner (Trotzki, Sinowjew, Kamenew, Bucharin) aus und steigt zum unumstrittenen Führer der Sowjetunion auf.
- 1924 Tod Lenins.
- 1928/29 Beginn des 1. Fünfjahresplans (1928-32), große Industrialisierungsprojekte. Ab 1929 forcierte Zwangskollektivierung der Landwirtschaft. Unter der Losung "Liquidierung des Kulakentums" wird mit äußerster Härte gegen selbstständige Bauern vorgegangen; als Folge schwere Hungersnot (v. a. in der Ukraine 1932-33) mit Millionen von Toten. Bildung von Kolchosen und Sowchosen.
- 1934 Ermordung des Leningrader Parteisekretärs S. M. Kirow, danach Beginn der "Großen Tschistka" (1935-39; Höhepunkt 1936-38 mit den 3 Moskauer Schauprozessen und zahlr. Todesurteilen gegen hohe Funktionäre). 1936-38 befinden sich etwa 5 % der Gesamtbevölkerung in Straflagern (GULAG) und Gefängnissen. Im Verlauf der Säuberung wird 1937-38 ein großer Teil der Armeeführung liquidiert. Die Geheimpolizei (bis 1934 GPU, dann im NKWD aufgegangen) ist ein wesentl. Instrument des Terrors.
- 1939 Abschluss des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakts (Hitler-Stalin-Pakt, 23. 8.) mit einem geheimen Zusatzprotokoll über die Aufteilung der Interessensphären in Polen und im Baltikum. Nach dem dt. Überfall auf Polen (1. 9.) besetzt die Rote Armee ab 17. 9. Ostpolen bis zu der mit Dtl. vereinbarten Linie. Angriff der Sowjetunion auf Finnland (Winterkrieg); der Völkerbund schließt die Sowjetunion deswegen aus.
- 1940 Die Sowjetunion annektiert die baltischen Republiken Estland, Lettland und Litauen; Rumänien muss Bessarabien und Teile der Bukowina, Finnland Teile Kareliens abtreten.
- 1941 Am 22. 6. greift das Dt. Reich (kurz darauf gefolgt von seinen Verbündeten) die Sowjetunion an, für die damit der "Große Vaterländ. Krieg" (1941-45) beginnt. Die vom natsoz. Deutschland okkupierten Gebiete werden einer brutalen Besatzungspolitik unterzogen. Die Sowjetunion verbündet sich mit den angelsächsischen Mächten in der Anti-Hitler-Koalition. Der dt. Vormarsch kommt erst vor Moskau zum Stehen. Beginn der Deportation von Völkern unter dem Vorwurf der Kollaboration (zunächst Russlanddeutsche, später Kaukasusvölker u. a.).
- 1943 Die dt. 6. Armee ergibt sich vor Stalingrad (31. 1./2. 2.), danach sowjet. Sieg in der Schlacht am Kursker Bogen (Juli bis August), endgültige Kriegswende.
- 1944 Rückeroberung des schwer zerstörten sowjet. Territoriums abgeschlossen (etwa 27 Millionen sowjet. Kriegstote).
- 1945 Die Sowjetunion geht als Sieger- und Weltmacht aus dem Zweiten Weltkrieg hervor..
- Die Beschlüsse von Jalta und das Potsdamer Abkommen sichern ihr das nördl. Ostpreußen und die Karpato-Ukraine. Im Fernen Osten tritt die Sowjetunion im August in den Krieg gegen Japan ein. Besetzung der südl. Kurilen und von ganz Sachalin. In den osteurop. Staaten und der sowjet. Besatzungszone in Deutschland installiert die Sowjetunion kommunistische Diktaturen (Ostblock).
- 1946/47 Beginn des "Kalten Krieges" (Ost-West-Konflikt). Verstärkter Wiederaufbau der sowjet. Wirtschaft (Konzentration auf Schwerindustrie); erneute Hungerkatastrophe in der Ukraine.
- 1948 Bruch mit dem von Tito geführten Jugoslawien. Im Rahmen neuer stalinist. Wachsamkeitskampagnen und Säuberungen setzt eine antisemitische Politik ein (Schließung jüdischer Einrichtungen, Verschleppung jüdischer Intellektueller in den GULAG; 1953 werden jüd. Kreml-Ärzte einer zionist. Verschwörung beschuldigt, "Ärztekomplott"). Nach dem ungeklärten Tod des Leningrader Parteichefs A. A. Schdanow (1948) Verhaftung und zum Teil Hinrichtung der ortsansässigen Funktionärsschicht ("Leningrader Affäre").
- 1948/49 Berliner Blockade.
- 1949 Zündung der 1. sowjetischen Atombombe; Gründung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Erneute (nach 1941 zweite) Massendeportation von Balten ins Innere der Sowjetunion.
- 1950 Freundschafts- und Beistandspakt mit dem kommunistischen China.
- 1953 Tod Stalins (5. 3.); Wiederherstellung der "kollektiven Führung"; Beginn einer vorsichtigen kulturpolitischen Liberalisierung ("Tauwetter"-Periode); Sturz des Staatssicherheitsministers L. P. Berija; Zündung der ersten sowjet. Wasserstoffbombe. Volksaufstand in der DDR am 17. 6. wird von sowjet. Truppen niedergeschlagen.
- 1955 Gründung des Warschauer Pakts unter sowjet. Führung. Beendigung des Konflikts mit Jugoslawien. In ihrer Deutschlandpolitik vertritt die Sowjetunion die These von der Existenz zweier dt. Staaten und der freien Stadt Westberlin (Berlinultimatum 1958).
- 1956 N. S. Chruschtschow leitet auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Entstalinisierung ein. Verurteilung des Personenkults. Außenpolitisch schwenkt die Sowjetunion auf eine Politik der "Friedl. Koexistenz" ein, dennoch werden freiheitl. Bestrebungen im Ostblock brutal unterdrückt (militär. Niederschlagung des ungarischen Aufstands).
- 1957 Mit dem erfolgreichen Start von "Sputnik 1" (4. 10.) leitet die UdSSR das Zeitalter der Raumfahrt ein; ihr gelingt auch der erste bemannte Weltraumflug (J. A. Gagarin, 12. 4. 1961).
- 1958 Nach Ausschaltung der innerparteil. Opposition ("Antiparteigruppe", u. a. G. M. Malenkow, W. M. Molotow, N. A. Bulganin) beendet N. S. Chruschtschow die "kollektive Führung" und übernimmt als Erster Sekretär des ZK der KPdSU (seit 1953) und nunmehr auch als Vorsitzender des Ministerrats allein die Macht.
- 1960 Bruch mit China aufgrund eines ideologischen und machtpolitischen Konflikts.
- 1962/63 Raketenstationierung auf Kuba löst die Kubakrise aus.
- 1964 Sturz von Chruschtschow, L. I. Breschnew wird Erster Sekr. (ab 1966 Generalsekretär) des ZK der KPdSU (bis 1982) und ist von 1977-82 auch Staatsoberhaupt; striktes Vorgehen des KGB (seit 1954 Name des Geheimdienstes) gegen Dissidenten.
- 1968 Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in die CSSR.
- 1969 Ausbruch von Grenzgefechten mit China am Ussuri.
- 1979 Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan (Rückzug 1988-89).
- 1982 Tod Breschnews. Die Nachfolger J. W. Andropow (1982-84) und K. U. Tschernenko (1984/85) ändern wenig an dem unter Breschnew entstandenen bürokrat.-diktatorischen Staatsgefüge, das von einer Restalinisierung der Regierungspraxis und zunehmender Stagnation der Entwicklung gekennzeichnet war.
- 1985 M. S. Gorbatschow wird Generalsekretär des ZK der KPdSU und 1988 auch Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets (Staatsoberhaupt). Unter den Bezeichnungen Glasnost und Perestroika leitet Gorbatschow ein Reformprogramm in der Innen-, Außen- und Wirtschaftspolitik ein, das zu einem Ende des Ost-West-Konflikts führt.
- ----------------------------------------------
- 12.6.1990 Souveränitätserklärung Russlands. Boris Jelzin wird als Vorsitzender des russischen Obersten Sowjets Staatsoberhaupt (seit 1991 im Amt des Staatspräsidenten, 1996 bestätigt).
- 1991 Zerfall der Sowjetunion, Bildung der "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" (GUS), seither existiert Russland unter der Staatsbezeichnung "Russische Föderation".
- ----------------------------------------------
- 1992 Unterzeichnung eines neuen Föderationsvertrages.
- 1993 Putschversuch nationalistischer und kommunistischer Gruppierungen in Moskau von der Armee blutig unterdrückt.
- 1994-1996 Russische Militärintervention in der nach Unabhängigkeit strebenden Republik Tschetschenien (1997 Friedensvertrag).
- 1996 Aufnahme Russlands in den Europarat, Begründung einer "Gemeinschaft Souveräner Republiken" mit Weißrussland.
- 1997 Abkommen mit China zur Demarkation der Grenze.
- 1998 Auf dem Höhepunkt einer Wirtschafts- und Finanzkrise wird J. Primakow Ministerpräsident (bis 1999).
- 1999 Russ. Vermittlungsbemühungen im Kosovokonflikt und Beteiligung an der Friedenstruppe KFOR; nach S. Stepaschin (Regierungschef Mai-August) wird W. Putin Ministerpräsident, der nach dem vorzeitigen Rücktritt Jelzins auch die Funktion des Interimspräsidenten übernimmt. Im August eskalierten die Auseinandersetzungen mit aus Tschetschenien nach Dagestan eingedrungenen muslimischen Rebellen. Ende September Beginn einer neuen russischen Militärintervention in Tschetschenien. Im Dezember Unterzeichnung eines Unionsvertrages mit Weißrussland.
- 2000 Russische Truppen besetzen nach opferreichen Kämpfen Tschetschenien weitgehend (Errichtung einer Präsidialverwaltung, blutiger Guerillakrieg). Im März gewinnt Putin die Präsidentschaftswahlen.
- 2001 Neues Parteiengesetz, Verabschiedung eines Landgesetzes zur Legalisierung von privatem Bodeneigentum; Unterzeichnung eines Freundschaftsvertrages mit der VR China; Zusammenwirken mit den USA in der von diesen nach den Terroranschlägen vom 11. 9. gebildeten Antiterrorkoalition.
- 2002 Unterzeichnung eines Kernwaffenabrüstungsabkommens zwischen Russland und den USA, Neukonstituierung eines NATO-Russland-Rates. Russ.ischeSpezialeinheiten beenden gewaltsam eine tschetschenischen Terroraktion (Massengeiselnahme) in Moskau. Neues restriktives Mediengesetz.
- 2004 Wiederwahl von Wladimir Wladimirowitsch Putin zum Staatspräsident.
Quellen: wissen.de, Auswärtiges Amt, Wikipedia, Brockhaus u.a.
Diplomatische Vertretung
dieses Landes in Deutschland
Diplomatische Vertretung
Deutschlands in diesem Land.