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Washington wirft Teheran Bruch des Atomwaffensperrvertrags vor
USA fordern von IAEO Verurteilung des Iran

Wien/Teheran - Mit erneut massiven Vorwürfen gegen den Iran und dessen angebliches geheimes Waffenprogramm drängen die USA zu einer Verurteilung des Landes vor der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO in Wien. So soll der Gouverneursrat der IAEO bei seiner nächsten Sitzung am 16. Juni offiziell erklären, dass Teheran den Atomwaffensperrvertrag von 1970 gebrochen hat.

IAEO-Direktor Mohammed ElBaradei sei nach dem Eindruck der US-Regierung nunmehr auch eher geneigt, in der Sitzung ein negatives Bild von der noch im Bau befindlichen Nuklearanlage Natanz in Zentraliran zu zeichnen. Dies berichtete zumindest die New York Times am Donnerstag unter Berufung auf Regierungsvertreter. Der Iran wie die USA sind derzeit Mitglied im IAEO-Gouverneursrat.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe gegen den Iran steht dabei ein etwa 100.000 Quadratmeter großes Areal in Natanz, rund 200 Kilometer südlich von Teheran. Bis 2005 soll dort eine Anlage zur Anreicherung von Uran fertig gestellt sein, mit deren Hilfe der Iran - nach Auffassung der US-Geheimdienste - in der Lage wäre, jährlich mehrere Atombomben zu produzieren.

160 Zentrifugen
Ein Teil der Anlage soll unterirdisch gebaut worden sein, was nach Ansicht der US-Regierung auf eine nicht-friedliche Nutzung hinweise. Zudem seien die Mitarbeiter von IAEO-Direktor ElBaradei bei dessen Besuch in Natanz im vergangenen Februar vom Umfang der Anlage überrascht gewesen und hätten festgestellt, dass mehr als 160 neue Zentrifugen zur Anreicherung von Uran bereits getestet worden waren. Der Direktor der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamreza Aqazadeh, bestritt allerdings in einem nicht-öffentlichen Bericht vor der IAEO am Dienstag dieser Woche, dass in Natanz Versuche statt gefunden hätten. Die Anlage diene der Stromgewinnung für den wachsenden Bedarf der 65 Millionen Iraner.

Der Zeitpunkt für den Aufbau einer Drohkampagne gegen den Iran dürfte nicht zufällig sein: Die US-Regierung ist interessiert, den Konflikt um Nordkoreas Nuklearprogramm, in dem sie eine abwartende Haltung einnimmt und dafür kritisiert wird, zu relativieren. Washington warf dem Iran zudem mehrfach vor, durch Unterstützung schiitischer Gruppen Einfluss auf die Nachkriegsordnung im Nachbarland Irak zu nehmen.

IAEO-Sprecher Mark Gwozdecky wies die in den US-Medien verbreitete Erwartung einer Verurteilung des Iran zurück: "Wir können derzeit keinerlei Schlussfolgerungen über die Fähigkeiten des Irans zur Herstellung nuklearer Waffen ziehen." Experten in der Wiener Atombehörde weisen gleichwohl auf die Möglichkeit hin, dass sich Teheran die Technik der Urananreicherung aneignen möchte, um künftig zumindest eine Option zur Produktion von Atomwaffen zu haben.
(Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 9.5.2003)

Quelle: www.derstandard.at, 09.05.2003

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Teheran trotzt Bushs Warnungen
Iran will Atomprogramm fortsetzen / USA fordern Ächtung

Iran hat eine Warnung von US-Präsident George W. Bush vor einer Fortsetzung seines Atomprogramms zurückgewiesen. Dies diene "ausschließlich friedlichen Zwecken", sagte Irans Außenminister Kamal Kharrasi. Bush hatte verlangt, Iran müsse "universell verurteilt" werden, wenn es das Programm fortsetzen sollte. Die Internationale Atomenergiebehörde musste eine geplante Inspektion verschieben.

NEW YORK, 26. September (dpa/ap/rtr). Kharrasi sagte am Donnerstagabend (Ortszeit) vor der UN-Vollversammlung, sein Land werde sich "ungerechtfertigten und diskriminierenden Forderungen" nicht beugen. Irans Plan für seine wirtschaftliche Entwicklung sehe vor, bis zum Jahr 2020 durch Atomkraft Elektrizität zu erzeugen. "Ich erkläre kategorisch, dass Massenvernichtungswaffen in der Verteidigungsstrategie meines Landes keinen Platz haben", sagte der Minister.

Zuvor hatte Bush erklärt, weltweit sei man der Ansicht, dass Iran kein Atomprogramm betreiben dürfe. Es müsse deshalb eine "universelle Verurteilung" geben. Darüber wolle er mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei ihrem bevorstehenden Treffen in Camp David am Wochenende sprechen. Bush drängt Russland, die nukleare Zusammenarbeit mit Iran abzubrechen. Das Land unterstützt Iran finanziell beim Bau des Atomreaktors Bushehr. Iran hat die Vorwürfe der USA stets zurückgewiesen, ein Atomwaffenprogramm zu betreiben. Die USA vermuten hingegen, dass Iran seine Atomanlagen zur Anreicherung von Uran nutzt, um Material für Atomwaffen herzustellen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) hat Iran eine Frist bis Ende Oktober gesetzt um nachzuweisen, dass sein Programm nur friedlichen Zwecken dient. Sollte Iran den Forderungen nicht nachkommen, wird der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet. Das Gremium könnte dann Sanktionen verhängen. Am Vorabend hatte die IAEO nach Angaben eines Diplomaten ein weiteres Mal in Iran Spuren waffenfähigen Urans gefunden.

Unterdessen mussten leitende IAEO-Inspektoren ihren geplanten Besuch Irans um wenigstens eine Woche verschieben. Die Verschiebung der Abreise bis zum Ende nächster Woche sei auf Wunsch der iranischen Regierung erfolgt, so eine IAEO-Sprecherin in Wien. Die iranischen Behörden bräuchten mehr Zeit, um den Besuch vorzubereiten. Einzelheiten über die Gründe und den genauen Zeitpunkt der Kontrollen könnten nicht genannt werden.

Quelle: Frankfurter Rundschau, 27-09-03

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