Estland
Staatsangehörige dieses Landes benötigen zur Einreise nach Deutschland kein Visum, wenn sie im Besitz eines gültigen Nationalpasses oder Personalausweises sind (allgemeine Freizügigkeit). Die Einreise kann nur aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verweigert werden. Für die Aufnahme einer Beschäftigung gelten vorübergehend Sonderregelungen.
Staatsangehörigkeitsschlüssel "127"
Kraftfahrzeugkennzeichen "EST" * ISO-Code-Kurzbezeichnung "EE / EST"

Estland
Republik im nördlichen Baltikum, 45227 km2, 1,44 Mio. Einwohner.
Hauptstadt Tallinn. Amtssprache: Estnisch.
Verfassung
- 1992 wurde per Referendum eine neue Verfassung (parlamentarische Demokratie) angenommen.
Landeskunde
- Estland ist das nördlichste und kleinste der drei baltischen Länder.
Es liegt zwischen Finnischem Meerbusen und Lettland, Peipussee und Rigaer Bucht.
Zu seinem Territorium gehören mehr als 70 Inseln vor der stark gegliederten Ostseeküste.
Estland ist ein eiszeitlich geformtes, ebenes bis flachwelliges Land mit vielen Seen, Sümpfen und Mooren.
Die höchste Erhebung des Landes bildet mit 318 m der Suur Munamägi im südlichen, zum Baltischen Landrücken gehörenden Moränenhügelland. Die Wälder (vor allem Kiefern, Fichten und Buchen) sind zwar inzwischen stark gelichtet worden und mussten zum Teil Ackerflächen und Wiesen weichen, nehmen aber noch rund zwei Fünftel der Landesfläche ein.
Das Klima ist gemäßigt kontinental und im Norden recht rau. In Tallinn beträgt die langjährige Jahresmitteltemperatur +5,2°C, wobei im Sommer Werte um +30°C, im Winter um -30°C auftreten können.
Bevölkerung:
- Die Bevölkerung setzt sich aus 65% Esten, 28 Russen, 3% Ukrainern sowie 1,5% Weißrussen und 1% Finnen zusammen. Der überwiegende Teil der Gläubigen gehört der evangelisch-lutherischen Kirche an. Rund 69% der Bevölkerung leben in Städten. Außer der Hauptstadt Tallinn ist Tartu die einzige Großstadt. Estland gehört zu den Ländern mit einer rückläufigen Bevölkerungszahl; die durchschnittliche Zuwachsrate lag in den Jahren 1990-2000 bei -1,1%. Ursachen hierfür sind die niedrige Geburtenrate und die hohe Abwanderung der Russen in ihr Heimatland. Das Bildungswesen ist außerordentlich gut entwickelt. Von den neun Universitäten Estlands wurde die älteste 1632 in Tartu gegründet.
Wirtschaft und Verkehr
- Die Wirtschaft Estlands basiert auf der vielseitigen Industrie und der Nutzung der reichen Ölschiefervorkommen. Die Industrie, in der rund ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt ist, ist auf die Hauptstadt Tallinn konzentriert. Zu den führenden Industriezweigen gehören Maschinenbau, Fischverarbeitung, Textil-, Holz-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie. Die aufgrund des begrenzten Binnenmarktes stark exportorientierte Industrie weist hohe Wachstumsraten auf. Außer den Ölschiefervorkommen verfügt Estland nur über geringe Bodenschätze: Torf, Phosphorite, Kalkstein und Dolomit.
Die Landwirtschaft liefert vor allem Kartoffeln und Getreide. Von Bedeutung ist auch die Viehwirtschaft (Rinder- und Schweinezucht, daneben auch Schaf-, Ziegen- und Geflügelhaltung) sowie die Fischerei (vor allem Heringe). Wichtigste Außenhandelspartner sind Finnland und Schweden.
- Das Straßennetz (10 900 km) wird durch den Bau von Autobahnen weiter verbessert. Von großer Bedeutung ist die Seeschifffahrt mit Tallinn, Narva und Pärnu als den wichtigsten Häfen. Zwischen Estland und Finnland bestehen regelmäßige Fährverbindungen. Tallinn verfügt über einen internationalen Flughafen.
Geschichte
- Die zur finnischen Völkerfamilie gehörenden Esten wurden 1207-1227 von Süden her von den Schwertbrüdern, von Norden her durch König Waldemar II. von Dänemark (1219) unterworfen.
- 1346 löste der Deutsche Orden, dem sich 1237 der Schwertbrüderorden angeschlossen hatte, die dänische Oberhoheit über den nördlichen Landesteil ab. Die Ordensritter christianisierten die Esten gewaltsam und drängten die dominierende Viehhaltung zugunsten des Getreideanbaus zurück. An der Küste gründeten Orden und Hanse Hafenstädte.
- Der Zusammenbruch der Ordensherrschaft im 16. Jahrhundert hinterließ ein Machtvakuum, das Zar Iwan IV. ausnutzen wollte. Er scheiterte im Livländischen Krieg, und Estland wurde in der Folge zwischen Dänemark, Polen-Litauen und Schweden aufgeteilt.
- 1629 erlangte Schweden die Kontrolle über das gesamte festländische Estland. Mit dem Niedergang der schwedischen Ostseehegemonie fiel Russland im Nordischen Krieg (1700-1721) ein breiter Streifen der Küste unter Einschluss Estlands zu.
- Die seit dem Mittelalter deutsch geprägte Oberschicht wurde im 19. Jahrhundert durch die Russifizierung unter Druck gesetzt.
- 1918 wurde unter Einschluss der von Esten besiedelten Teile Livlands die Republik Estland ausgerufen, die im Frieden von Dorpat (1920) von Sowjetrussland anerkannt wurde. Die Aufteilung des Großgrundbesitzes 1920 konnte die sozialen und nationalen Spannungen nicht beseitigen.
- 1924 wurde ein kommunistischer Putsch niedergeschlagen.
- 1934 errichtete Ministerpräsident K. Päts ein autoritäres Präsidialregime.
- 1939 Das geheime Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes sprach Estland der sowjetischen Einflusssphäre zu.
- 1940 marschierten nach einem Ultimatum sowjetische Truppen ein. Das unter massiver sowjetischer Einmischung gewählte Parlament "beantragte" die im August 1940 vollzogene Aufnahme Estlands als Estnische Sozialistische Sowjet-Republik in die UdSSR. Über 100 000 Esten wurden ins Innere der Sowjetunion deportiert.
- 1941-1944 war Estland von deutschen Truppen besetzt.
- 1944 Die Wiederherstellung der Sowjetherrschaft war mit weiteren Deportationen und einer massenhaften Einwanderung von Russen verbunden.
- 1988 entstand eine Volksbewegung, die eine weit gehende Autonomie Estlands forderte.
- Am 30. 3. 1990 proklamierte Estland die Unabhängigkeit, die von der sowjetischen Regierung aber erst 1991 anerkannt wurde.
- 1992 wurde per Referendum eine neue Verfassung (parlamentarische Republik) angenommen. Bei den Parlamentswahlen im gleichen Jahr erhielten konservative Parteien die meisten Stimmen. L. Meri wurde zum Staatspräsidenten gewählt (Wiederwahl 1996). Eine schnelle Privatisierung sowie eine konsequente Niedrigsteuerpolitik beflügelten die estnische Wirtschaft.
- 1995 Die Parlamentswahlen gewann ein bürgerliches Bündnis aus Koalitionspartei und Bauernunion.
- 1995 Antrag auf EU-Mitgliedschaft.
- 1998 begannen Aufnahmeverhandlungen mit der Europäischen Union.
- 1999 Ein reformorientiertes Parteienbündnis (Pro Patria, Estnische Reformpartei und Moderate) gewann bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit. M. Laar (Pro Patria), der bereits 1992 bis 1994 das Amt des Ministerpräsidenten bekleidet hatte, wurde Regierungschef.
- Im September 2001 wählte die Bundesversammlung den Reformkommunisten A. Rüütel zum neuen Staatspräsidenten. Nach regierungsinternen Streitigkeiten trat Laar im Januar 2002 zurück. S. Kallas (Estnische Reformpartei) wurde neuer Ministerpräsident. Im gleichen Jahr erhielt Estland die Einladung, Mitglied der EU bzw. der NATO zu werden.
- 2003 Nach den Parlamentswahlen bildete J. Parts von der konservativen Res Publica-Partei eine Mitte-Rechts-Regierung.
- 14. September 2003 Die estnische Bevölkerung stimmte in einem Referendum über den EU-Beitritt ab.
67 Prozent der Wähler stimmten für den Beitritt.
- 01.05.2004: Estland wird in die EU aufgenommen.
- 04/2005: Andrus Ansip wird neuer Ministerpräsident.
Quellen: wissen.de, Auswärtiges Amt, Wikipedia, Brockhaus u.a.
Diplomatische Vertretung
dieses Landes in Deutschland
Diplomatische Vertretung
Deutschlands in diesem Land.