Äthiopien
Staatsangehörige dieses Staates benötigen für die Einreise nach Deutschland grundsätzlich ein Visum (Art. 1 Abs. 1 EUVisumVO, § 4 I AufenthG, § 15 AufenthV). Der Umfang der erlaubten Erwerbstätigkeit ergibt sich aus dem Aufenthaltstitel (§ 4 Abs. 2 AufenthG).
Staatsangehörigkeitsschlüssel "225"
Kraftfahrzeugkennzeichen "ETH" * ISO-Code-Kurzbezeichnung "ET / ETH"

Äthiopien
Republik in Ostafrika, 1.100.000 km2; ca. 70 Mio. Einwohner.
Hauptstadt: Addis Abeba, Amtssprache: Amharisch.
Verfassung
- Verfassung von 1994 beschreibt Äthiopien als föderalen und demokratischen Staat. Die Bundesstaaten sind entlang ethnischer Grenzen gebildet und genießen weitgehende Autonomie. Die Unabhängigkeit der Justiz ist verfassungsmäßig verankert. Die Rechtsprechung leidet jedoch unter knappen personellen und finanziellen Ressourcen, die sich in langen Verfahren niederschlagen. Es kommt immer wieder zu einer Einflussnahme der Exekutive auf politisch sensible Verfahren. Eine Justizreform ist im Gange.
Landeskunde:
- Im Großen zwei hoch gelegenen Tafelländern, die durch einen Teil des Ostafrikanischen Grabens getrennt werden. Im Nordosten öffnet sich der Graben trichterförmig zum Roten Meer und liegt im Danakiltiefland teilweise unter dem Meeresspiegel (-116 m). Die beiden Tafelländer bestehen großenteils aus waagerecht lagernden vulkanischen Gesteinen. Über den weit gespannten Hochflächen erheben sich einzelne Massive zu mehr als 4000 m Höhe.
Bevölkerung:
- 40% sind kuschitische Galla (Oromo), 37% semitischen Amhara und die Tigray; der Rest Danakil, Somal u. a. Nur etwa 18% der Bevölkerung leben in Städten. Die Tigray und Amhara besiedeln die Hochländer, wo sie Ackerbau mit Pflugkultur und Viehwirtschaft betreiben. Ein Teil der Galla hat den Pflug von ihnen übernommen und ist sesshaft, andere sind wie die meisten Somal und Danakil reine Hirtennomaden. Insgesamt werden etwa 70 Sprachen gezählt. Ca. 60% der Bevölkerung sind Analphabeten.
- Ca. 45% äthiopische-orthodoxe Christen. Ca. 40% sind Muslime. Ca. 6-10% Christen. Ca. 5% Anhänger von Naturreligionen. Am Tanasee wohnt die kleine Gruppe der Falascha (sogenannte Schwarze Juden).
Wirtschaft und Verkehr:
- Über 80% der Bevölkerung leben in der sehr rückständigen Landwirtschaft. Ackerbau vor allem Getreide, Mohrenhirse und Mais, ferner Ensete-Bananen, Hülsenfrüchte, Ölsaaten und spanischer Pfeffer. Anbau von Baumwolle, Tabak und Wein. Exportiert wird vor allem Kaffee, der ca. 52% des Gesamtexports ausmacht. Mehrere Dürreperioden führten zu einem Rückgang des Viehbestandes und zu Hungerkatastrophen. Anfang der 1970er Jahre verhungerten über 250 000 Menschen; 1991 waren rund 7 Mio. und im Jahr 2000 rund 8 Mio. Menschen vom Hungertod bedroht. Bergbau auf Platin, Gold, Kupfer, Eisen, Braun- und Steinkohle. Dieser steckt ebenso in den Anfängen wie die Industrie (Nahrungsmittel-, Textil-, Baustoff-, Eisen- und Stahlindustrie). Wasserkraftwerk am Koka-Staudamm (Hauptlieferant für elektrische Energie).
- Weitmaschiges, aber recht gutes Straßennetz. Nur eine Eisenbahnlinie von Addis Abeba nach Djibouti, dem Umschlagplatz für den größten Teil des äthiopischen Außenhandels. Der Flugverkehr innerhalb des Landes ist gut ausgebaut. Internationaler Flughafen Addis Ababa Bole.
Geschichte:
- In Äthiopien wurden einige der ältesten Überreste prähistorischer Menschen gefunden ("Lucy" - Australopithecus afarensis, circa 3,5 Mio. Jahre alt).
- Als Äthiopien wurden die Gebiete südlich von Ägypten (Nubien, das Gebiet des Reiches Kusch) bezeichnet.
- Im Altertum Einfluss der ägyptischen, dann der griechischen Kultur.
- 1. Jh. nach Chr. Entstehung de Reich von Aksum am Roten Meer, das Teile des heutigen Äthiopien und Gebiete Südarabiens eroberte und das im 4. Jahrhundert zum Christentum bekehrt wurde.
- Dieses älteste christliche Reich in Afrika wehrte sich lange gegen den vordringenden Islam, wurde aber immer mehr auf das Hochland zurückgedrängt.
- Seit dem 13. Jahrhundert war Äthiopien ein Gesamtstaat unter dem Negus Negesti ("König der Könige") und mehreren Statthaltern (Ras) für die Teilfürstentümer Schoa, Tigre, Amhara und Godscham.
- 1314-1540 Goldenes Zeitalter der Salomonischen Dynastie.
- 1529-1543 Ahmad "Gran", ein muslimischer Imam und Feldherr, bringt das christliche Äthiopien in einem "Dreißigjährigen Heiligen Krieg" nahezu zum Zusammenbruch (1529 Niederlage in der Schlacht von Shiembra Kure).
- 1542 Portugiesische Unterstützung mit Feuerwaffen führt zur Niederlage und zum Tod Grans, aber das Reich der äthiopischen Kaiser bleibt zunächst auf das nördliche abessinische Hochland zurückgedrängt.
- 1607-1769 Blütezeit des politisch, aber nicht wirtschaftlich auf Abessinien reduzierten äthiopischen Reiches mit der Hauptstadt Gonder.
- 1889-1913 Kaiser Menelik II. dehnt Äthiopien nach Süden auf seine heutige Größe aus, verlagert die Hauptstadt nach Addis Abeba, wehrt die Ansprüche der europäischen Kolonialmächte ab.
- 1896 Sieg gegen Italien in der Schlacht von Adua. Er muss allerdings Eritrea als Kolonie an Italien abtreten.
- Anschließend Handels- und Freundschaftsverträge, unter anderem mit dem Deutschen Reich. Er beginnt mit der Modernisierung des Landes.
- 1930-1974 Regentschaft Kaiser Haile-Selassie
- 1935-1942 befand er sich in London im Exil.
- 1936-1941 Italienische Besetzung von Äthiopien, das mit Eritrea und Italienisch Somaliland zu Italienisch Ostafrika vereint wird.
- 1941 Italienische Truppen werden durch britische Truppen besiegt.
- 1950 Eritrea wird von den Vereinten Nationen mit einem Sonderstatus in den äthiopischen Staatsverband eingegliedert. Diesen Sonderstatus hebt der Kaiser schrittweise auf.
- 1962 Eritrea wird als Provinz Äthiopiens annektiert. Dies löst den bewaffneten Kampf eritreischer Aufständischer gegen Kaiser und später Derg (Mengistu-Regime) aus. Dieser endet im Mai 1991 mit dem militärischen Erfolg und führt im Mai 1993 zur Unabhängigkeit Eritreas.
- 1973-1974 Dürrekatastrophe und nachfolgende Hungersnot von 1972-1973 sowie Unruhe unter Studenten und Militär führen am 12.09.1974 zur Absetzung des Kaisers durch das Militär. Ein von Offizieren gebildeter "Provisorischer Militärverwaltungsrat" (amharisch: Derg) übernimmt die Macht.
- 1974-1991 Herrschaft des Derg unter Führung von Oberstleutnant Mengistu Haile Mariam, Sozialismus als Staatsideologie. Durch den Roten Terror sterben 1977-1978 etwas 5.000-10.000 Menschen.
- 1984 Gründung der Worker's Party of Ethiopia (=Äthiopische Arbeiterpartei).
- 1984/85 und 1987/88 Dürre und Hungersnot.
- 1977-1978 Ogadenkrieg. Äthiopien wehrt die somalische Invasion mit sowjetischer und kubanischer Hilfe ab. Die Sowjetunion liefert in den folgenden Jahren Waffen für etwa 7 Mrd. US-Dollar), nachdem die USA militärische Hilfe verweigern.
- 05/1991 Mengistu flieht nach Simbabwe, wo er sich noch heute aufhält. Nationalkonferenz der meisten politischen und ethnischen Gruppen Äthiopiens, die zu Mengistu in Opposition gestanden hatten, verabschiedet am 05.07.1991 eine Charta mit politischen und sozialen Zielen für eine Übergangsregierung von maximal zweieinhalb Jahren unter Anleitung durch einen Parlamentarischen Rat. Meles Zenawi Staatspräsident und Präsident des Rates.
- April 1993 Unabhängigkeit Eritreas nach einem Referendum im April 1993 unter internationaler Aufsicht. Äthiopien wird zum Binnenstaat.
- 06/1994 Wahlen zu einer Verfassunggebenden Versammlung, an denen sich die Opposition nicht beteiligt. Die Oromo Liberation Front (OLF) zog sich bereits 1993 aus Regierung und Parlamentarischem Rat zurück und nahm den bewaffneten Kampf wieder auf.
- Am 12/1994 Verabschiedung einer neuen, bundesstaatlichen und demokratischen Verfassung.
- 05/1995 Wahlen zu den Bundes- und Regionalparlamenten ohne Beteiligung der Opposition.
- 05/1998 - 06/2000 Äthiopisch-eritreischer Grenzkrieg, der nach hohen Verlusten beider Seiten am 18.06.00 mit einem Waffenstillstand und am 12.12.2000 mit dem Friedensvertrag von Algier endet. Stationierung von Friedenstruppen der Vereinten Nationen (United Nations-Mission in Ethiopia and Eritrea - UNMEE) in einem 25 km breiten Grenzstreifen auf eritreischem Gebiet. Bildung einer Grenzkommission, die ihre bindende Entscheidung zur Festlegung der Grenze am 13.04.2002 bekannt gab und am 31. März 2003 selbst interpretierte. Die Entscheidung der Grenzkommission ist bisher nicht umgesetzt worden.
- 05-08/2000 Wahlen zu den Bundes- und Regionalparlamenten unter Teilnahme der Opposition, die jedoch wegen eigener Zersplitterung und Schwäche sowie starker Behinderung durch die Regierung einflusslos bleibt.
- 05/2005 Wahlen zum Bundesparlament und zu den Regionalparlamenten.
- Premierminister: Meles Zenawi.
- Staatspräsident: Girma Woldegiorgis.
Quellen: wissen.de, Auswärtiges Amt, Wikipedia u.a.
Diplomatische Vertretung
dieses Landes in Deutschland
Diplomatische Vertretung
Deutschlands in diesem Land.