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Neutraler Gesichtsausdruck, gerade Kopfhaltung, geschlossene Lippen, geöffnete Augen. Was schon für Erwachsene vor der Linse des Fotografen schwierig werden kann, lässt die Eltern gesichtsakrobatischer Babys manchmal verzweifeln.
"Es ist ganz schön schwierig, ein Kleinkind so zu halten, dass die Nase in der Mitte des Fotos sitzt", weiß Michael Hirsch im Dissener Bürgerbüro von Eltern, die hier gestern für ihren Nachwuchs den ersten Reisepass beantragt haben. Denn ab 1. Januar müssen auch Babys ins biometrische Raster passen.
Ganz so streng wie bei den Erwachsenen, für die schon seit Anfang November im elektronischen Reisepass ein "Bitte nicht lächeln" gilt, ist die Bundesdruckerei mit den jüngsten Deutschen aber nicht. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind Abweichungen erlaubt. Gut sichtbare Augen beispielsweise dürften bei manchem propperen oder müden Knirps zum Problem werden. Der Preis ist im Vergleich zu den Pässen für die Großen, die 59 Euro zahlen müssen, günstig: Der neue Kinderreisepass kostet 13 statt wie bisher sechs Euro.
"So ganz glücklich" sind die Mitarbeiter des Bürgerbüros aber nicht mit dem neuen Biometrie-Pass. "Jeden sechsten Kunden müssen wir zurück zum Fotografen schicken", berichtet Niklas Birkemeyer. Das passiert, wenn der Hintergrund nicht passt, der Kontrast fehlt oder ein Schatten aufs Gesicht fällt. Schwierig kann auch die Prüfung der wichtigsten geforderten Merkmale werden. "Wir gucken meistens zu zweit drüber, ob alles passt, und hoffen dann, dass der Antrag durchgeht." Auf die neue Software, die das Foto automatisch überprüft, müssen die Dissener noch mindestens bis Januar, eher bis Mitte des Jahres warten.
Seine Glandorfer Kollegin Elisabeth Schnieder hat es da besser. "Wir haben die Software und erkennen so gleich, ob das Foto richtig ist." Zudem seien die Fotografen vor Ort so gut vorbereitet, dass sie kaum einen Kunden für eine neue Aufnahme wegschicken musste.
"Wir hatten bisher zwar nur wenige Anträge, aber die Hälfte der Leute mussten wir enttäuschen. Sie brauchten ein neues Foto", erzählt Sabine Haase. Beim zweiten Anlauf klappe es dann immer, so die Bad Rothenfelder Verwaltungsfachangestellte. Und aus dem Raster der Schablone sei auch noch kein Bad Rothenfelder "herausgefallen". Haases Empfehlung: "Sagen Sie dem Fotografen ausdrücklich, dass Sie das Bild für den neuen Reisepass brauchen."
Wenig Chancen haben allerdings diejenigen, die meinen, sie könnten als 40-Jähriger mit dem Lieblingsbild aus der Jugendzeit anrücken. "Das geht natürlich nicht", lacht Friederike Jaeger, Verwaltungsangestellte im Hilteraner Einwohneramt.
Nach einer vierwöchigen Gewöhnungsphase hätten sich auch die Fotostudios in Hilter gut auf die neuen Anforderungen eingestellt. "Unmut gab es hier im Rathaus höchstens mal wegen der Kosten für den neuen E-Pass." Ähnliche Erfahrungen hat Maria Bramert in Bad Laer gemacht. "Am Anfang gab es zwei oder drei Rückläufe, ansonsten läuft es wider Erwarten gut."
"Alles Übungssache", meint auch eine Mitarbeiterin des Bürgerzentrums im Iburger Rathaus. Wenn Schlagschatten auf dem Gesicht liegen oder es zu sehr glänzt, würden die Fotostudios ohne weiteres neue Bilder machen. "Aber seit 1. November ist es hier sehr ruhig geworden." Die meisten, die einen neuen Reisepass brauchten, haben das wohl noch schnell vor der Einführung des E-Passes erledigt, für weniger Geld und natürlich mit einem Lächeln.
Quelle:
Neue Osnabrücker Zeitung, 21.12.2005
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