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64 Kilobyte Sicherheit

In den USA sollen Daten für den e-Pass zentral gespeichert werden

Wer in die USA einreisen möchte, muss viel Zeit mitbringen. Denn seit dem 11. September ist die Prozedur am Flughafen noch langwieriger geworden als sie ohnehin schon war. Beide Zeigefinger werden gescannt, ein Foto wird gemacht und der Flughafen-Beamte stellt ein paar Fragen. In Zukunft soll der e-Pass mehr Sicherheit und weniger Wartezeit bringen. Aber auch in den USA haben die Bürger noch keine biometrischen Pässe.

von Susanne Manz, Washington, 07.11.2005

Müde, gelangweilte Gesichter in der Schlange vor der US-Immigration auf dem Washingtoner Flughafen. Geschäftsleute, Touristen, Studenten - alle warten nach achtstündigem Flug darauf, die Einreisekontrolle hinter sich zu bringen. In der einen Hand eine Reisetasche, ein Laptop oder ein Köfferchen, in der anderen Hand ein Reisepass, darin ein grünes und ein weißes Formular - die Einreisedokumente für die USA.

Eine Szene aus dem US-Reisealltag, die fast jeder schon einmal erlebt hat. Dann ist es so weit: Beide Zeigefinger werden gescannt, ein Foto wird gemacht. Rechter Finger, linker Finger, ein Blick in eine Tennisball große Kugel. Schließlich dem wortkargen Beamten ein paar Fragen beantworten. Summa Sumarum: nicht mal eine Minute. Dann ist die Einreise in die USA geschafft.

Einreise seit 2001 noch schwieriger

Die Einreiseprozedur ist seit den Terroranschlägen vom 11. September noch langwieriger geworden. Denn die USA feilen an einem neuen Sicherheitskonzept. Vor wenigen Jahren wäre ein Fingerabdruck und ein Foto noch unvorstellbar gewesen. Dieses Einreise-Prozedere wurde eingeführt, weil die meisten der am Visa-Waiver-Programm teilnehmenden Länder den Anforderungen der USA nach biometrischen Pässen noch nicht nachkommen konnten.

Doch auch in den USA gibt es die biometrischen Pässe bis heute noch nicht. Um mehr Sicherheit zu gewährleisten, soll der herkömmliche Pass allerdings schon bald von einem elektronischen Pass (e-Pass) abgelöst werden - so der Plan. Seit Monaten wird weltweit über den biometrischen Pass diskutiert. Aber noch immer wissen viele Bürger nicht, was auf einem solchen Pass gespeichert werden soll. Ein Iris-Scan? Ein Fingerabdruck? Und stimmt es, dass Lächeln auf dem digitalen Foto künftig verboten ist?

Iris- und Fingerabdruck-Kontrolle geplant

Der endgültige e-Pass der USA soll - ähnlich wie in anderen Ländern - einen 64 Kilobyte großen Computerchip enthalten, auf dem zunächst die Basisdaten des Inhabers, wie Name, Geburtsdatum und -ort sowie ein digitales Foto gespeichert werden. Weitere biometrische Erkennungsmerkmale wie Fingerabdrücke oder gar ein Iris-Scan sind nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums für die nächsten Jahre in Planung und könnten nachträglich hinzugefügt werden.

Der Chip soll bis zu zehn Jahre halten und ist mit einer digitalen Signatur und einem Code gegen ungewollte Zugriffe geschützt. Er selbst befindet sich in dem Umschlag des Passes, dadurch wird sich der neue Pass kaum von dem traditionellen, nicht elektronischen Pass unterscheiden. Das Design der inneren Seiten soll verändert werden, um den Pass noch fälschungssicherer zu machen. Bis heute liegt aber noch keine endgültige Version vor. "Wir befinden uns zurzeit in einer Testphase. Wir wollen einen sicheren und sehr guten Pass haben", so Jarrod Agen, Sprecher des US-Ministeriums für Heimatschutz.

Alle Daten zentral gespeichert

Die Speicherchips im Pass ermöglichen nicht nur eine sichere Identifizierung des Passinhabers, sie sollen auch Diebstahl und Fälschungen vorbeugen. Am Flughafen werden an den Kontrollstellen Scanner die Gesichtsmerkmale eines Reisenden mit den auf dem Pass-Chip gespeicherten Daten abgleichen. Die Daten des Chips, und das ist der Unterschied zu anderen Ländern, werden in einer zentralen Datei gespeichert. "Das ist ein deutlicher Vorteil", findet eine Sprecherin für Konsularangelegenheiten im US-Außenministerium. "Wenn der Pass geklaut wird, ist es so viel einfacher, einen neuen Pass zu bekommen."

Jarrod Agen attestiert: "Der biometrische Pass ist der nächste Schritt in Richtung Sicherheit. Der e-Pass ist sicherer als vorher und das macht es schwieriger ihn zu fälschen und für Terroristen zu agieren." Doch viele Amerikaner blicken dem Ganzen skeptisch entgegen. Peter M., Taxifahrer aus Bethesda/Maryland zweifelt, dass damit wirklich mehr Sicherheit gewährleistet werden kann: "Ich denke nicht, dass biometrische Pässe es ermöglichen, Terroristen zu identifizieren oder gar den Terrorismus einzudämmen", sagt er.

Meinung über e-Pass geteilt

Die Skepsis gegenüber dem biometrischen Pass ist groß: "Warum müssen meine Daten in einer Datenbank gespeichert werden", fragt sich der Politik-Student Paul K. aus Washington DC. Und weiter: "Warum sollte ich zulassen, dass der Staat alles über mich erfährt." Andere wiederum begrüßen die Einführung des e-Passes: "Ich bin froh, dass alles versucht wird, um unsere Welt so sicher wie möglich zu machen. Wenn dafür mein Fingerdruck in meinem Pass benötigt wird, warum nicht", sagt die Angestellte Anne L.

Bis jetzt ist das alles noch Theorie in den USA. Die ursprüngliche Deadline der USA für den biometrischen Pass war Oktober 2004. Doch bereits im letzten Jahr wurde diese Frist um ein Jahr verlängert, da die meisten der am Visa-Waiver-Programm (VWP) teilnehmenden Länder die Forderungen der USA so schnell nicht umsetzen konnten. Nun haben die VWP-Länder noch bis zum 26. Oktober 2006 Zeit, biometrische Pässe einzuführen. "Der neue Pass soll so sicher wie möglich sein, es ist das Dokument der Zukunft, daher brauchen sowohl die USA als auch die anderen Länder doch noch länger als erwartet", erklärt eine Sprecherin für Konsularangelegenheiten im US-Außenministerium.

Testphase läuft

Momentan läuft die Testphase des e-Passes in den USA. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Fluggesellschaften werden die biometrischen Pässe getestet, um dann, wenn es den e-Pass gibt, einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Denn schließlich soll das Einreiseprozedere nicht nur sicherer, sondern auch beschleunigt werden. Nach Abschluss der Testphase soll der Pass voraussichtlich Ende 2005 oder Anfang 2006 eingeführt werden. Alte US-Pässe sind bis zur eingetragenen Frist gültig und werden danach durch einen e-Passport ersetzt. Das neue Dokument wird 97 US-Dollar (80 Euro) kosten.

Ob die Kontrollvorgänge an den amerikanischen Flughäfen und Grenzübergängen mit diesem Hightechpass wirklich beschleunigt werden, wird sich zeigen. Abwarten, heißt es im Moment noch für die Reisenden.

Quelle: Extern ZDFheute.de, 07.11.2005

 

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