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Der sicherste Pass der Welt?

Belgien will mit biometrischem Beispiel vorangehen

Als erstes Land in der EU hat Belgien im Januar 2005 den biometrischen Reisepass (ePass) eingeführt. Die Belgier folgen damit einem Entschluss der europäischen Regierungen, die Reisedokumente aller EU-Staaten durch die Speicherung biometrischer Daten sicherer zu machen. Die Europäer reagieren damit auch auf Entscheidungen in den USA, die Sicherheitsvorkehrungen an den Außengrenzen zu erhöhen - ursprünglich sollten Einreisende ohne Visum schon ab Herbst 2005 biometrische Pässe vorweisen. Die neue Frist für die EU-Länder: August 2006. Ob die EU dadurch von Passfälschungen verschont bleibt?

von Katharina Strobel, Brüssel, 20.10.2005

Francois Dumont vom belgischen Außenministerium ist sich sicher: "Belgien hat momentan die sichersten Pässe der Welt." Dass das Elf-Millionen-Einwohner Land darauf besonders stolz ist, liegt auch daran, dass es vor allem belgische Pässe waren, die um 9/11 herum in die Schlagzeilen gerieten. Immer wieder kamen den Behörden Blanko-Pässe abhanden, die von Schleusern, aber auch von mutmaßlichen Terroristen missbraucht wurden.

Genau das will der biometrische Pass (ePass) verhindern. Auf einem elektronischen Chip, der sich zwischen den beiden letzten Seiten des Dokuments befindet, sind individuelle Merkmale des jeweiligen Passinhabers gespeichert. In Belgien sind bislang nur die Gesichtsmerkmale in den Chip aufgenommen. Später sollen eine Unterschrift und Fingerabdrücke folgen.

Bürger müssen nicht mehr bezahlen

Über die Kosten des Projekts herrscht bei der belgischen Regierung Stillschweigen. "Viel Geld haben wir da hereingesteckt", sagt Francois Dumont, "sehr viel Geld". Fakt ist, dass die Kosten der Pässe durch die neue Technik nicht ansteigen werden. Wo die Regierung das Geld hernimmt, verrät sie nicht.

Die Ankündigung der neuen Regelung hat unter EU-Politikern nicht nur Lob hervorgerufen. Nicht allein wegen der Finanzierung des Projekts machen Kritiker sich Sorgen. Einige EU-Parlamentarier bezweifeln die vermeintliche Täuschungsresistenz. Andere befürchten, die gespeicherten Daten könnten missbraucht werden.

Extern Download EU-Studie zu Biometrie an den Grenzen Symbol für pdf-Dateien (pdf-Datei, 2,17 MB)

Gefahr eines Identitätsdiebstahls?

So sprachen sich die Abgeordneten des Europaparlaments im Oktober 2004 zwar für die neuen Pässe, aber gegen die Einführung einer zentralen Datenbank aus, in der die Informationen gespeichert werden sollten. Berichterstatter Carlos Coelho forderte eine Offenlegung der Behörden, die in der Zukunft Zugang zu den Daten haben werden. "Dadurch soll die notwendige Transparenz erreicht und Missbräuchen vorgebeugt werden", erklärt der Portugiese Coelho.

Andere EU-Parlamentarier lehnen die Einführung der biometrischen Elemente im Reisepass ganz ab. Nach Ansicht des Dänen Ole Krarup sind die Gefahren eines Identitätsdiebstahls durch die Speicherung biometrischer Merkmale nicht aus dem Weg geräumt. Biometrische Systeme seien nie hundertprozentig genau, so der Europaabgeordnete.

Grenzstellen nicht ausgerüstet

Tatsächlich sind nicht alle Risiken der biometrischen Identifizierungsmethoden geklärt. Datenschützer warnten davor, dass die Technik noch nicht ausgereift sei. So ergaben Tests bei der Gesichtserkennung eine hohe Fehlerquote. Auch Fingerabdrücke, die in naher Zukunft eingeführt werden sollen, sind nach Ansicht von IT-Experten relativ leicht zu fälschen. Die genauen technischen Spezifikationen für den Abdruck stehen allerdings noch nicht fest.

Belgien lässt sich von den Kritikern nicht abschrecken. Von der Sicherheit der neuen Pässe, von denen bis Ende August schon 355.000 ausgestellt wurden, ist das Land überzeugt. Der einzige Haken: Derzeit kann kaum eine Behörde etwas mit der neuen Technik anfangen - für das Lesen und Erkennen der Informationen, die auf dem Chip gespeichert sind, sind bislang so gut wie gar keine Grenzstellen ausgerüstet.

Quelle: Extern ZDFheute.de, 20.10.2005

 

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