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Pressemitteilung BioP II Studie

CCC warnt vor Biometrie-Desaster bei neuen Reisepässen

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat kürzlich die "BioP2-Studie" zur Leistungsfähigkeit biometrischer Verfahren für die neuen Reisepässe ("ePass") veröffentlicht. Der Chaos Computer Club (CCC) warnt nach Auswertung der Studie nachdrücklich vor dem Einsatz der offensichtlich untauglichen Biometriesysteme. Angesichts der unzulänglichen Technik und den enormen Kosten droht der Bundesrepublik ein neues Hi-Tech-Debakel.

Betroffen von der Einführung der ePässe ab 1. November 2005 sind pro Jahr zwei Millionen Deutsche. Die BSI-Studie sollte ermitteln, ob biometrische Verfahren im praktischen Einsatz tauglich und benutzerfreundlich sind. Sie sollte als Grundlage für das Gesetzgebungsverfahren Empfehlungen für die Umsetzung an Flughäfen oder Grenzübergängen unterbreiten. Der Gesetzgeber ignorierte die eigens in Auftrag gegebene Studie jedoch.

Biometrische Verfahren ungeeignet

Die getesteten Verfahren wiesen zwischen 3 und 23 Prozent der teilnehmenden Personen fälschlich zurück. Wenn diese Systeme tatsächlich flächendeckend in der Passkontrolle eingesetzt werden, stehen täglich zehntausende Menschen an den Flughäfen vor rot blinkenden Bildschirmen. Ihre Fingerabdrücke oder digitalen Fotos würden von der Software nicht erkannt. Laut Bundesinnenministerium hätten diese Bürger dann mit einer "verschärften Kontrolle" zu rechnen.

Im Rahmen der BSI-Studie wurden auch Untersuchungen zur Überwindungssicherheit der Verfahren angestellt. Die Ergebnisse dieser Tests werden jedoch geheim gehalten. "Wir nehmen an, dass das BSI zu ähnlich verheerenden Ergebnissen gekommen ist, wie der CCC bei seinen Untersuchungen", so Andy Müller-Maguhn, Sprecher des CCC. Der Club hatte in der Vergangenheit mehrfach die Überwindbarkeit von biometrischen Systemen mit einfachsten Mitteln demonstriert.

Die BioP2-Studie kommt zu dem Schluss, dass zahlreiche technische Verbesserungen sowie eine weitere "gründliche Untersuchung der Funktionstüchtigkeit, der Erkennungsleistung und der Überwindungssicherheit" notwendig sind. Das BSI räumt damit selbst ein, dass die Technologie alles andere als einsatztauglich ist. Es wird gar die Hoffnung bekundet, die Bürger würden sich schon an die dauernden Zurückweisungen, hohen Fehlerraten und nicht intuitive Benutzerführung der Systeme gewöhnen.

Die deutschen Reisepässe gehören laut BKA zu den sichersten der Welt. Funkchips und Biometrie werden dieses Sicherheitsniveau senken, weil sich die Grenzbeamten zunehmend auf die unzulängliche Technik verlassen. Andy Müller-Maguhn fasst zusammen: "Hier wird ein teures, unausgereiftes und unsicheres System eingeführt, das beste Chancen hat, zu einem weiteren Technologie-Desaster zu werden. Es ist offensichtlich, dass mit der Einführung des ePasses vor allem Industrieinteressen bedient und die angeschlagene Bundesdruckerei saniert werden sollen."

Der Chaos Computer Club fordert, die Einführung von Biometrie und Funkchips in den Reisepässen bis auf weiteres auszusetzen. Sollte sich bei einer ergebnisoffenen Prüfung der Verfahren bestätigen, dass sie prinzipiell nicht geeignet sind, muss auf den Einsatz in Reisepässen grundsätzlich verzichtet werden.

Die Kritikpunkte im Überblick:

Eine Materialsammlung zum Thema ePass hat der CCC unter Extern www.ccc.de/epass online gestellt. Insbesondere für Medienvertreter empfehlen wir Extern die Antworten der BMI-Pressestelle mit unseren Kommentaren.

Pressemitteilung BioP II Studie, September 06, 2005 (frankro)

Quelle: Extern CCC e.V., 06.09.2005

 

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