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Österreich

Ein Auge auf die Sicherheit

Durch die Anschläge von London wurde die Diskussion über Biometrie wieder angeheizt. Da jeder Mensch einzigartig ist, sind Irisscan und Fingerprint gut für die Sicherheit. Pässe sollen fälschungssicher sein. So weit die Theorie.

(Oliver Hochadel/DER STANDARD, Printausgabe, 25.07.2005)

Schon die Terroranschläge vom 11. September 2001 haben den Weg zur biometrisch kontrollierten Gesellschaft beschleunigt, die Anschläge in London bestärken Politiker, das Richtige zu tun: Hightech wird in den Reisepass integriert, Papier und Karton mithilfe von Chips und angeschlossenen Datenbanken aufgerüstet. Zwar sind Ausweise in der EU bereits maschinenlesbar, es geht aber nun darum, das Papier mit Fingerabdruck, mit dem Muster der Iris, mit der DNA, dem Gesicht, der Form der Ohren oder dem Venenmuster am Handrücken "sicher" zu machen - denn diese biometrischen Merkmale sind bei jedem Individuum einzigartig, sprich: unverwechselbar. So kann sich niemand mehr für einen anderen ausgeben. Dies ist zurzeit noch mehr ein Versprechen als Realität, aber Terrorangst, Gesetzgebung und Technologie treiben sich gegenseitig voran.

Ab dem 26. Oktober 2006 werden EU-Bürger, die in die USA einreisen wollen, einen Pass mit biometrischen Merkmalen vorweisen müssen - oder ein Visum. Die Regelung gilt allerdings nur für Pässe, die ab diesem Datum ausgestellt werden. Sprich: Mit früher ausgestellten Pässen kann man auch noch danach ohne Visum in die USA einreisen. Aber die neuen Pässe kommen. Die entsprechende EU-Verordnung verlangt von den Mitgliedsstaaten, dass ab 28. August 2006 ein Foto in Chipform in neu ausgestellten Pässen sein muss. Das herkömmliche Foto verschwindet aber nicht, denn es wird noch in jenen Ländern benötigt, die noch nicht über die entsprechenden Lesegeräte verfügen. Auf dem kontaktlos funktionierenden Funkchip finden sich also genau dieselben Informationen wie im "analogen" Teil des Passes. Nur erscheint das ausgelesene Foto in Bildschirm- und nicht in Briefmarkengröße vor dem prüfenden Blick des Beamten.

Frühestens 2008 sollen dann die Abdrücke des linken und des rechten Zeigefingers in den Pässen der EU-Bürger gespeichert sein, und zwar nur mehr digital. Aber im Chip - das gilt sowohl für das Gesicht als auch für den Fingerabdruck - sind nur jpgs, also Bilddateien gespeichert, und keine Templates, also Zahlenwerte, die sich mithilfe spezifischer Algorithmen etwa aus dem Muster der Papillarlinien des Fingerabdrucks errechnen lassen. Wären die biometrischen Merkmale bereits in Templates umgewandelt, müsste man an den Grenzkontrollen weltweit einen einheitlichen Standard zum Auslesen schaffen. Das ist nicht nur schwer vorstellbar - auch würde man damit jenem Anbieter dieses einen Standards ein Monopol einräumen.

Gute Fotoqualität

Die Fotos für den Chip sollen von einer Qualität sein - Nicht lächeln, keine Haare im Gesicht! -, die es erlaubt, diese auch in eine Datenbank mit entsprechender Software zur Gesichtserkennung bzw. zum Fingerabdrucksabgleich einzuspeisen. Hauptzweck des neuen Passes ist das nicht.

Denn anders als bei der Verbrecher- oder Terroristenjagd geht es bei der Grenzkontrolle um Identifizieren und nicht um Erkennen. Am Schlagbaum wird überprüft, ob die ankommende Person mit jener im Pass identisch ist. Sucht man hingegen mithilfe eines Fingerabdrucks, einer DNA-Probe oder einer Aufnahme einer Überwachungskamera nach einem Einbrecher, einem bereits ausgewiesenen Asylanten oder Terroristen, will man mithilfe entsprechender Datenbanken herausfinden, wer diese Person ist.

Biometrie soll helfen, Terrorismus, organisierte Kriminalität und Menschenhandel zu bekämpfen. Diese "Hochsicherheitsdokumente" könnten aber immer nur ein Glied einer Kette von Maßnahmen sein, so Heinrich Pawlicek, der im Innenministerium für Passangelegenheiten zuständig ist. Bekanntlich sind die Attentäter von 9/11 legal in die USA eingereist, jene von London waren britische Staatsbürger, biometrische Pässe hätten sie nicht aufgehalten.

Hier zu Lande werden die neuen Pässe von der Österreichischen Staatsdruckerei im Auftrag des Innenministeriums entwickelt und hergestellt. Dort wird auch die Haltbarkeit der neuen Hightechpässe getestet. Denn wer in Hosentaschen um den Globus jettet, muss einiges aushalten, soll doch der Pass auch mit Chip für zehn Jahre gültig sein. Tests seien bisher gut verlaufen, berichtet Wolfgang Rosenkranz von der Staatsdruckerei: "Wir haben den Reisepass mit Chip in die Waschmaschine gesteckt. Das Papier war aufgelöst, der Chip funktionierte noch."

Wie viel die Umstellung auf Biometrie kosten wird - nicht nur die Pässe, auch die Lesegeräte müssen ja aufgerüstet oder ersetzt werden -, weiß niemand. Es kursieren zwar Schätzungen, die für ein Land wie Deutschland von dreistelligen Millionenbeträgen ausgehen. Für den österreichischen Bürger soll die Gebühr für einen Reisepass mit 69 Euro gleich bleiben, Mehrkosten teilen sich Bund und Länder.

(Oliver Hochadel/DER STANDARD, Printausgabe, 25.07.2005)

Quelle: Extern derStandard.at, 25.07.2005

 

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