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FUSSBALL
Andreas Förster
BERLIN, 24. Mai. Mit Hilfe großflächiger biometrischen Personenkontrollen will die Bundesregierung Krawalle während der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Deutschland verhindern. Zu diesem Zweck soll die Videoüberwachung in den Stadien sowie in Innenstadtbereichen erheblich ausgeweitet werden. In einem speziellen Lagezentrum werden zudem Experten von Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst Hinweise auf mögliche Terroranschläge zusammentragen und analysieren.
Diese Maßnahmen sind Bestandteil eines bislang geheim gehaltenen nationalen Sicherheitskonzeptes zur WM 2006, das an diesem Mittwoch in Stuttgart von den Innenministern der Länder beschlossen und anschließend in Teilen der Öffentlichkeit vorgestellt wird. An der Konferenz wird Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) teilnehmen, unter dessen Federführung das Konzept erarbeitet worden ist. Es regelt die Verantwortlichkeiten von Polizei, Geheimdiensten, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Katastrophenschutz bei dem Großereignis.
Zu den zentralen Punkten des Sicherheitsplans gehört die elektronische Überwachung von Stadien und Innenstadtbereichen sowie der Partymeilen, auf denen im Juni 2006 zehntausende Menschen zu Großbildübertragungen von WM-Spielen erwartet werden. Dabei sollen zum Teil Spezialkameras zum Einsatz kommen, die biometrische Gesichtsmerkmale von Personen erfassen. Diese Merkmale werden in Computern mit den Gesichtern bereits erfasster Hooligans und anderer Gewalttäter verglichen. Stellt der Rechner eine Übereinstimmung fest, können Sicherheitskräfte vor Ort alarmiert werden, die den Verdächtigen kontrollieren. Die Sicherheitskräfte sollen dazu mit dem neu entwickelten mobilen Fingerabdrucksystem "Fast Identification" ausgestattet werden, das einen schnellen Abgleich verdächtiger Personen mit den Daten bereits erfasster gewalttätiger Hooligans und anderer Straftäter erlaubt.
Besonderen Stellenwert nimmt im Konzept die Abwehr von Terroranschlägen ein. Hierfür wird eine Art Sondereinheit zuständig sein, die innerhalb eines neuen "Nationalen Informations- und Kompetenzzentrums" unweit des Bundesinnenministeriums ein eigenes abgeschottetes Lagezentrum erhält. Dieser Bereich soll mit Antiterrorexperten von BND, Verfassungsschutz und BKA besetzt werden.
Um die Sicherheit an den Spielorten zu gewährleisten, werden zwei ringförmige Sicherheitsareale um die Stadien eingerichtet. Die elektronischen Einlasskontrollen zum inneren Ring können nur mit den offiziellen Eintrittskarten passiert werden, auf denen sich ein spezieller Chip mit den persönlichen Daten des Kartenkäufers befindet. An Hand dieser Chips können auch Sicherheitskräfte im Innenring bei Stichproben überprüfen, ob es sich bei dem Kartenbesitzer um den ursprünglich angemeldeten Erwerber handelt.
Das Sicherheitskonzept sieht auch die zeitweilige Sperrung des Luftraums über WM-Spielorten vor. Wie die Aussetzung des Schengen-Abkommens während der WM sind dies allerdings optionale Maßnahmen, die entsprechend der Gefahrenlage ergriffen werden können.
Quelle:
Berliner Zeitung, 25.05.2005
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