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Schöne, heile Biometrie-Welt

Die Bürgerrechtsorganisation Statewatch hat die Kernaussagen der jüngst veröffentlichten Biometrie-Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) scharf kritisiert. Die Ergebnisse des 166-seitigen Berichts mit dem Titel Biometrics at the Frontiers: Assessing the Impacts on Society ließen sich nur mit einer "technikgläubigen Sichtweise" der Autoren erklären, teilte Statewatch mit. Die Bürgerrechtler bemängeln vor allem, dass in dem Report wirtschaftlichen Interessen der EU ein sehr viel größerer Stellenwert eingeräumt werde als etwa Aspekten des Datenschutzes oder der Zuverlässigkeit von biometrischen Erkennungssystemen, berichtet Heise online.

Studie zeichnet postitives Bild

In der Studie hatten die Autoren ein überaus positives Bild vom Einsatz biometrischer Systeme bei der Identitätsüberprüfung gezeichnet. Sie kamen zu dem Schluss, dass mit der Aufnahme zusätzlicher biometrischer Merkmale in die Pässe, Visa und Aufenthaltstitel ab 2006 die biometrische Erkennung anhand von Fingerabdruck, Iris oder Gesichtsbild im täglichen Leben einen immer selbstverständlicheren Platz einnehmen werde. Die Bürger würden sich auf Reisen daran gewöhnen, und die Erfahrungen mit der Bequemlichkeit und Sicherheit würden zur Verbreitung der biometrischen Identifizierungs- und Authentifizierungsverfahren in die Alltagsanwendungen führen. Das Ergebnis sei die Entstehung eines neuen prosperierenden Industriezweiges in Europa.

Statewatch kritisiert Profitdenken

Statewatch wirft den Verfassern vor, sie hätten nahezu vorbehaltlos den industriepolitisch gewünschten "Diffusionseffekt" biometrischer Anwendungen in den Mittelpunkt gerückt, obwohl in der Studie auch darauf hingewiesen wird, dass viele biometrische Erkennungssysteme noch in der Entwicklungsphase sind und einheitliche Standards sowie verlässliche Informationen zum großflächigen Einsatz von biometrischen Systemen weiterhin fehlen. "Es ist ein schlechter Report, weil er das Profitdenken von Unternehmen über die Freiheit und das Recht der Bürger auf Datenschutz stellt", resümiert Statewatch-Direktor Tony Bunyan.

Untermauert werden diese Vorwürfe von der Tatsache, dass nur sechs europäische Länder in der Lage sind, bis zum Oktober dieses Jahres Reisepässe mit biometrischen Identifikationsmerkmalen oder einem elektronischen Chip herauszugeben, wie es die US-Regierung für Besucher ohne Visa fordert. Aus diesem Grund macht sich der europäische Justizkommissar Franco Frattini für eine erneute Fristverlängerung bis zum August 2006 stark, so meldet der Online-Branchendienst Cnet News.com. Einen entsprechenden Antrag habe der italienische Europapolitiker bereits beim Congress der Vereinigten Staaten gestellt.

Probleme mit Interoperabilität und Sicherheit

Die Probleme mit der Interoperabilität und der Sicherheit der Lesegeräte seien langwieriger als erwartet, erläutert Frattini. Deshalb könne mit Ausnahme von Deutschland, Österreich, Luxemburg, Belgien, Finnland und Schweden kein europäisches Land die Vorgaben der Amerikaner fristgerecht erfüllen. In der Folge müssten sich Millionen von US-Reisenden schleunigst um Visa bemühen, wenn sie nicht an der Grenze abgewiesen werden wollen.

Die Regierung Großbritanniens führt separate Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten. Sie will einen biometrischen Ausweis zum Ende des laufenden Jahres einführen. Allerdings wird der britische Pass voraussichtlich nur ein digitales Foto des Inhabers zeigen, während die anderen EU-Länder auch ein Abbild des Fingerabdrucks oder der Iris auf den Ausweis aufbringen wollen. (idg/oli)

Quelle: Extern COMPUTERWELT.AT, 05.04.2005

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