Sie befinden sich hier: Startseite -> Stichworte -> Sachstand/Ausblick der Biometrie -> Sachstand
Mitteilung des CCC (Chaos Computer Club e.V.) vom 15. März 2005 (wetterfrosch)
Am heutigen Chaosdienstag (15.03.2005) verleiht der CCC auf der alljährlichen Nabelschau der IT-Branche den CCCeBIT-Award an die Bundesdruckerei. Der Anti-Preis für Datenkraken und Monopolbildung geht an die privatisierte Bundesdruckerei als Umsetzer und Nutzniesser der geplanten Einführung der biometrischen Erkennungsmerkmale in Reisedokumenten und Personalausweisen, verbunden mit unsicherer RFID-Technologie.
Die Bundesdruckerei ist eine große treibende Kraft hinter der Einführung von Fingerabdrücken und Funk-Chips in deutschen Reisedokumenten. Offenbar soll durch den anstehenden Megaauftrag die fehlgeschlagene Privatisierung des ehemaligen Staatsbetriebs doch noch zur Erfolgsstory gemacht werden. Die Gesamtkosten die Ausgabe komplett neuer Pässe sind noch völlig unklar, wenn auch eine
Studie im Auftrag des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag Anschaffungskosten von 600 Millionen Euro sowie laufende Kosten von nochmals 600 Millionen Euro jährlich errechnete, mit der Folge, dass ein Pass am Ende 130 Euro kosten könnte. Diese Kosten werden entweder direkt über die Gebühren bei der Ausstellung oder indirekt über den Bundeshaushalt vom Bürger getragen werden müssen.
Datenschutztechnisch ist das Vorhaben jedoch sehr zweifelhaft:
Da die Bundesdruckerei, in Zusammenarbeit mit dem deutschen Innenminister Otto Schily, in dieser Form die neuen Dokumente durchdrücken will, bekommen sie den diesjährigen CCCebit-Award für ihre Lobbyarbeit und gekonntes Ignorieren technischer Probleme in Sicherheits- und Datenschutzfragen verliehen.
Der CCC fordert, auf den Einsatz zusätzlicher biometrischer Merkmale in Pässen und Ausweisen zu verzichten. Sollte aus Gründen der internationalen Interoperabilität auf die Einführung nicht verzichtet werden können, muss vor dem Einatz ein öffentlich begleiteter Feldtest mit der konkreten Reisepasstechnologie und einer ausreichend grossen Nutzerzahl durchgeführt werden. Ausserdem müssen die sensiblen personenbezogenen Daten auf dem RFID-Chip verschlüsselt abgelegt und deren Verwendung einer strengen Zweckbindung unterworfen werden.
Interessante Grafik mit dem Titel
Quelle:
Chaos Computer Club e.V., 15. März 2005
[ Biometrie - Sachstand und Ausblick ]
[ Inhaltsverzeichnis ] | [ Startseite ]
Falls ein Link nicht funktioniert sind wir für eine kurze Nachricht dankbar.
![]()